Wer im Blog schreibt, will beachtet werden. Wer deshalb überlegt, was die anderen neugierig macht, wie er eine lebhafte Diskussion anzetteln könnte, oder auch zur ständigen Auf- oder Abwertung provozieren, hat den Zahn der Zeit erkannt, nein ... ist auf den Zug der Zeit ... ach, wie auch immer.
Was hier im Kleinen geschieht, beherrscht auch den Online-Journalismus immer stärker. In den USA werden die ersten Journalisten nicht mehr nach der Wortzahl, sondern nach Klicks bezahlt. Klicks dienen auch der Befriedigung des Autors. Das führt verstärkt zur Themeneinschränkung. Tiergeschichten laufen immer, Liebesgeschichten auch. In den USA am häufigsten gelesen: der Beitrag einer Frau, die Regeln aufstellt, wie man in Anlehnung an die Delfindressur den eigenen Mann konditionieren kann. Jede kann es ausprobieren. Kombination von Tier- und Liebesgeschichte ist unschlagbar. Bemerkenswert: Mit umgekehrtem Vorzeichen könnte man das heute nicht schreiben, da wär es politisch nicht korrekt. So geht's aber!
Jedes große Online-Portal veröffentlicht ein Ranking der meistangeklickten Beiträge, oder auch der meisten Kommentare. Wir müssen uns also keine Gedanken darüber machen, wann der KStA die Sternchen abschafft. Der ewige Streit darüber erhöht die Klicks ebenso, wie das damit verbundene ständige Voting. Und die Klicks sind vor allem ein Wirtschaftfaktor. Sie gelten als Indikator für die Reichweite eines Portals und bestimmen damit die Preise für Werbekunden. Zu diesen Überlegungen sind wir ja hier im Blog auch schon gekommen.
Also überlegen auch die Redaktionen, durch welche Formate sie die Klicks steigern können ... künstlich, versteht sich. Wer einen Online-Artikel liest, hinterlässt nur einen Klick, das sorgt nicht für Quote.
Was klickt? Bildergalerien, Kreuzworträtsel und Spiele. Jetzt weiß ich endlich, warum auf der Startseite von web.de täglich neue Memory-Spiele auftauchen. 15 Kartenpaare sind midestens 30 Klicks. Oder Ratespiele: eine Frage, drei Antworten, nächste Seite. Das lässt sich fast ins Unendliche ausweiten. Ein Höhepunkt: 237 Gründe, Sex zu haben in der Silvesterausgabe 2008 von Sueddeutsche. de. Jede Begründung ist einen Satz lang, jeder Satz erhielt eine eigene Seite.
Auch die Wahl des Titels schafft Klicks: Sex, Hitler, Enthüllungen jeder Art ... der Titel muss gar nicht unbedingt zum Beitrag passen, angeklickt wird er auf jeden Fall.
Inflationär steigen die Zugriffe allerdings erst bei den sozialen Netzwerken. Hatte Spiegel Online, der Marktführer unter den deutschsprachigen Nachrichtenseiten, im Dezember 2008 394 Mio. Klicks, kam das Studentennetz StudiVZ auf 5,3 Mrd. Hier geht es, wie bei den Stadtmenschen, um Selbstdarstellung, Kontakte, Diskussion. Das erfordert vom Nutzer viel Aktivität und Aktion heißt Klicks. Die Klicks sagen also nichts darüber, wieviele Menschen ein Portal tatsächlich nutzen. Spiegel Online hat über 4,5 Mio Unique User, StudiVZ etwa 4 Mio. Die Klicks verschaffen einem neuen Medium zunächst eine nur scheinbare Bedeutung.
Welche Folgen hat das für den Journalismus, wenn Berichte über den Arbeitsmarkt oder Hintergrundinformationen über den Atomkonflikt im Iran floppen, und deshalb von der Startseite verschwinden? Wenn Nachrichten unter dem Gesichtspunkt der Vermarktung ausgewählt werden, wird die Wirklichkeit zugunsten der Quote verzerrt.
Gleichzeitig werden die Foren immer interessanter für die Internetwerbung. Produkte werden heute kommuniziert, nicht mehr beworben und Produktkommunikation ist ein wachsender Markt, den der Verbraucher als solchen kaum wahrnimmt. Die Werbung hat längst neue Formen angenommen, seit sie nur noch im Netz boomt. Es ist inzwischen durchaus üblich, dass Firmen Mitarbeiter mit verschiedenen Nicks in unterschiedliche Foren schicken, damit sie dort von ihren guten Erfahrungen in Form eines Erlebnisberichtes erzählen.
Gerade die Werbung könnte aber dazu beitragen, dass es auch im Online-Journalismus in Zukunft nicht nur um Banalitäten geht. Denn erfolgreiche Werbung braucht einen qualitativ hochwertigen Hintergrund. Klingt für mich alles ein bisschen verrückt: Gerade die Werbung fordert Qualität?
Und jetzt warte ich noch darauf, dass der Begriff es klickt sich verselbstständigt. „Tolle Handtasche, die klickt!“
Der Beitrag entstand auf der Grundlage verschiedener Berichte der SZ und der Zeit und nach einem Gespräch mit einem Agenten für Produktkommunikation.
Erstveröffentlichung 9. 3. 08
Was hier im Kleinen geschieht, beherrscht auch den Online-Journalismus immer stärker. In den USA werden die ersten Journalisten nicht mehr nach der Wortzahl, sondern nach Klicks bezahlt. Klicks dienen auch der Befriedigung des Autors. Das führt verstärkt zur Themeneinschränkung. Tiergeschichten laufen immer, Liebesgeschichten auch. In den USA am häufigsten gelesen: der Beitrag einer Frau, die Regeln aufstellt, wie man in Anlehnung an die Delfindressur den eigenen Mann konditionieren kann. Jede kann es ausprobieren. Kombination von Tier- und Liebesgeschichte ist unschlagbar. Bemerkenswert: Mit umgekehrtem Vorzeichen könnte man das heute nicht schreiben, da wär es politisch nicht korrekt. So geht's aber!
Jedes große Online-Portal veröffentlicht ein Ranking der meistangeklickten Beiträge, oder auch der meisten Kommentare. Wir müssen uns also keine Gedanken darüber machen, wann der KStA die Sternchen abschafft. Der ewige Streit darüber erhöht die Klicks ebenso, wie das damit verbundene ständige Voting. Und die Klicks sind vor allem ein Wirtschaftfaktor. Sie gelten als Indikator für die Reichweite eines Portals und bestimmen damit die Preise für Werbekunden. Zu diesen Überlegungen sind wir ja hier im Blog auch schon gekommen.
Also überlegen auch die Redaktionen, durch welche Formate sie die Klicks steigern können ... künstlich, versteht sich. Wer einen Online-Artikel liest, hinterlässt nur einen Klick, das sorgt nicht für Quote.
Was klickt? Bildergalerien, Kreuzworträtsel und Spiele. Jetzt weiß ich endlich, warum auf der Startseite von web.de täglich neue Memory-Spiele auftauchen. 15 Kartenpaare sind midestens 30 Klicks. Oder Ratespiele: eine Frage, drei Antworten, nächste Seite. Das lässt sich fast ins Unendliche ausweiten. Ein Höhepunkt: 237 Gründe, Sex zu haben in der Silvesterausgabe 2008 von Sueddeutsche. de. Jede Begründung ist einen Satz lang, jeder Satz erhielt eine eigene Seite.
Auch die Wahl des Titels schafft Klicks: Sex, Hitler, Enthüllungen jeder Art ... der Titel muss gar nicht unbedingt zum Beitrag passen, angeklickt wird er auf jeden Fall.
Inflationär steigen die Zugriffe allerdings erst bei den sozialen Netzwerken. Hatte Spiegel Online, der Marktführer unter den deutschsprachigen Nachrichtenseiten, im Dezember 2008 394 Mio. Klicks, kam das Studentennetz StudiVZ auf 5,3 Mrd. Hier geht es, wie bei den Stadtmenschen, um Selbstdarstellung, Kontakte, Diskussion. Das erfordert vom Nutzer viel Aktivität und Aktion heißt Klicks. Die Klicks sagen also nichts darüber, wieviele Menschen ein Portal tatsächlich nutzen. Spiegel Online hat über 4,5 Mio Unique User, StudiVZ etwa 4 Mio. Die Klicks verschaffen einem neuen Medium zunächst eine nur scheinbare Bedeutung.
Welche Folgen hat das für den Journalismus, wenn Berichte über den Arbeitsmarkt oder Hintergrundinformationen über den Atomkonflikt im Iran floppen, und deshalb von der Startseite verschwinden? Wenn Nachrichten unter dem Gesichtspunkt der Vermarktung ausgewählt werden, wird die Wirklichkeit zugunsten der Quote verzerrt.
Gleichzeitig werden die Foren immer interessanter für die Internetwerbung. Produkte werden heute kommuniziert, nicht mehr beworben und Produktkommunikation ist ein wachsender Markt, den der Verbraucher als solchen kaum wahrnimmt. Die Werbung hat längst neue Formen angenommen, seit sie nur noch im Netz boomt. Es ist inzwischen durchaus üblich, dass Firmen Mitarbeiter mit verschiedenen Nicks in unterschiedliche Foren schicken, damit sie dort von ihren guten Erfahrungen in Form eines Erlebnisberichtes erzählen.
Gerade die Werbung könnte aber dazu beitragen, dass es auch im Online-Journalismus in Zukunft nicht nur um Banalitäten geht. Denn erfolgreiche Werbung braucht einen qualitativ hochwertigen Hintergrund. Klingt für mich alles ein bisschen verrückt: Gerade die Werbung fordert Qualität?
Und jetzt warte ich noch darauf, dass der Begriff es klickt sich verselbstständigt. „Tolle Handtasche, die klickt!“
Der Beitrag entstand auf der Grundlage verschiedener Berichte der SZ und der Zeit und nach einem Gespräch mit einem Agenten für Produktkommunikation.
Erstveröffentlichung 9. 3. 08
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20.04.2009 | 23.55 Uhr | Profil gelöscht
das auch!
[4,00 | 14 | 130]
130 Leser sind der Beweis für Deine These. Ich mein für das Main/Rhein-Gebiet - noch.
[4,00 | 14 | 130]
130 Leser sind der Beweis für Deine These. Ich mein für das Main/Rhein-Gebiet - noch.
19.04.2009 | 01.31 Uhr | dr.lach
gemeinsam machen wir mehr Mist.
18.04.2009 | 20.52 Uhr | Profil gelöscht
Schön, jetzt haben wir also auch den Internationalen Spätschoppen mit 6 Bloggern aus 37 Ländern. Wenn wir jetzt noch den Werner Höfer ausgraben ...
Ich sehe noch kommen. dass wir auch alle in Röschens Privatblog landen. "Angeschlossen sind die Groß-Blogs aus Guatemala, Neuguinea, Namibia, Leone, Mexico, Ukraine, Laos, Türkei sowieso Litauen. Ferner das Zensurzentrum (ZZ) in Dabringhausen." Fanfare und Eurovision!
Hoffentlich bleibt das stehen, immerhin haben die Nazis Großereignisse so angekündigt.
Es wächst zusammen, was zusammen gehört. So gehört sich das auch!
Oje, gibt's da nicht auch sonen Spruch: Gemeinsam sind wir eine Macht!? Ach nee, das war der Beckenbauer.
Ich sehe noch kommen. dass wir auch alle in Röschens Privatblog landen. "Angeschlossen sind die Groß-Blogs aus Guatemala, Neuguinea, Namibia, Leone, Mexico, Ukraine, Laos, Türkei sowieso Litauen. Ferner das Zensurzentrum (ZZ) in Dabringhausen." Fanfare und Eurovision!
Hoffentlich bleibt das stehen, immerhin haben die Nazis Großereignisse so angekündigt.
Es wächst zusammen, was zusammen gehört. So gehört sich das auch!
Oje, gibt's da nicht auch sonen Spruch: Gemeinsam sind wir eine Macht!? Ach nee, das war der Beckenbauer.
18.04.2009 | 08.48 Uhr | Snooze
Es gäbe zu dem Artikel einiges zu erzählen. Wer erst im Web 2.0 auf das Medium Internet aufmerksam wurde, für den sind natürlich die "klick" Balsam auf die Seele, der Sexämtertropfer zur guten Nacht. Natürlich spiegeln die Klicks nicht die Qualität eines Beitrages wieder. Was ist Qualität? An dem User Frankfurter Rundschau, mit einem Beitrag, keinem Profilbild, kann man den augenscheinlichen Erfolg jenes sehen. Gestern war er noch unter den Top5 der erfolgreichsten Autoren im Rhein-Main-Portal. Ich war schin drauf und dran, mein Profilbild auszutauschen, war "knackig & backiges" stattdessen einzupflanzen - da sieht er kein Land mehr. ;-)
Habe ich ein Thema, was nicht massentauglich ist, sollen die Klicks es da richten? Der Sex und love.de ist überall vorne dabei - noch. Aber das wird sich auch geben, denn wenn an jeder Ecke jemand seine Hose runterläßt, wird es irgendwann auch langweilig, bleibt man schon eher stehen, wenn jemand einen Schal strickt - sinngemäß.
Habe ich ein Thema, was nicht massentauglich ist, sollen die Klicks es da richten? Der Sex und love.de ist überall vorne dabei - noch. Aber das wird sich auch geben, denn wenn an jeder Ecke jemand seine Hose runterläßt, wird es irgendwann auch langweilig, bleibt man schon eher stehen, wenn jemand einen Schal strickt - sinngemäß.
18.04.2009 | 01.29 Uhr | escape
Ihr sucht wohl alle nicht nach den 237 Gründen, Sex zu haben;-))
Aber das ist ja auch nicht das Thema des Beitrags1
Aber das ist ja auch nicht das Thema des Beitrags1
15.04.2009 | 19.08 Uhr | Profil gelöscht
Seit wann hast du wieder Sprecherlaubnis? Sind die 6 Wochen wieder um? Stehgeiger!
15.04.2009 | 18.59 Uhr | herbert135
yes!
15.04.2009 | 17.32 Uhr | Belzemaid
Dieter Nuhr sagt :
einfach mal die Klappe halten...
:-)
guter Spruch, ne?
einfach mal die Klappe halten...
:-)
guter Spruch, ne?
15.04.2009 | 17.00 Uhr | Profil gelöscht
weil Du dann nix geschrieben hättest!
Jetzt fällt mir - wie Dir - auch nix Gescheites ein.
Jetzt fällt mir - wie Dir - auch nix Gescheites ein.
14.04.2009 | 22.43 Uhr | Spiegel
berlin Erster!
Ich weiß, blöd.
Warum denkst Du dir dann nicht ´was Anderes aus?
Ich weiß, blöd.
Warum denkst Du dir dann nicht ´was Anderes aus?
14.04.2009 | 19.22 Uhr | pianomann
sorry aber ich verstehe nur etwas von Pianos.
14.04.2009 | 11.09 Uhr | Profil gelöscht
Erster!
Ich weiß, blöd.
Ich weiß, blöd.




















