An sich ist der Bitterfelder Bogen das im Jahr 2006 fertig gestellte Bauwerk in 106 m Höhe auf dem Bitterfelder Berg, einer Hochkippe südlich der Stadt, von Weitem gut zu sehen, wie man bei guter Sicht umgekehrt durchaus einzelne Gebäude im 33 km entfernten Leipzig ausmachen kann.
Wie Monika Maron, die die Stadt B. vor ca. 30 Jahren schon einmal besuchte, um als Journalistin der "Wochenpost" zu berichten, und die der Stadt mit dem Roman "Flugasche" ein Denkmal gesetzt hat, bin ich bei meinem ersten Besuch des Bitterfelder Bogens am 5. Oktober nach 30 Jahren zum zweiten Mal auf diesem Berg gewesen, an dessen Fuß ich von 1966 bis 1978 in dieser Stadt gearbeitet und in der Region bis 2006 fast 40 Jahre lang gewohnt habe.
Und dieser Besuch erfolgte durchaus auch wegen Monika Maron, die jetzt zu Buchlesungen aus "Der Bitterfelder Bogen" in Bitterfeld-Wolfen und in Dessau weilte.
Über meinen Besuch des Bitterfelder Bogens habe ich extra berichtet. Auf einer Tafel in der Nähe des Bauwerks ist neben anderen Einzelheiten für die Besucher Folgendes aufgeschrieben:
Dir Skulptur ist ein Wahrzeichen der Region und soll insbesondere den Bogen schlagen von der Vergangenheit in die Zukunft, von den Altindustrieanlagen zum modernen Chemie Park und vom Braunkohlenntagebau zur gestalteten Landschaft.
Dass in der Region die Zukunft schin begonnen hat, belegt "Der Bitterfelder Bogen", ebenfalls von M. Maron, in dem es allerdings weniger um das Bauwerk als um zukunftsträchtigen neue Industrieanlagen in der Region geht.
Nicht anders verhält es sich mit der Bitterfelder Vergangenheit, literarisch von M. Maron in "Flugasche" verarbeitet. Wer einen ausführlichen Bericht erwartet, sucht den in ihrem Roman vergeblich. Natürlich spielen die 180 t Flugasche und die Bezeichnung Bitterfelds als die schmutzigste Stadt Europas eine Rolle, aber in dem Buch geht es viel mehr um das Schicksal der Journalistin mit ihrem Versuch, wahrheitsgemäß über Bitterfeld zu berichten.
Die Kennzeichnung des ehemaligen Bitterfeld erfolgt mit den wenigen, aber um so treffenderen Sätzen, die nur ca. eine Seite füllen.
Monika Marons Journalistin Josefa äussert sich nach ihren ersten Besuch in B. ihrer Chefin gegenüber so:
"Ach Luise, du warst klug wie immer. Du hast gewußt, warum du mich mit Optimismus und Arbeitsfreude gepolstert hast, ehe du mich in dieses jammervolle Nest schicktest. Diese Schornsteine, die wie Kanonenrohre in den Himmel zielen und ihre Dreckladung Tag für Tag und Nacht für Nacht auf die Stadt schießen, nicht mit Gedröhn, nein, sachte wie Schnee, der langsam und sanft fällt, der die Regenrinnen verstopft, die Dächer bedeckt, in den der Wind kleine Wellen weht. Im Sommer wirbelt er durch die Luft, trockener, schwarzer Staub, der dir in die Augen fliegt, denn auch du bist fremd hier, Luise, wie ich. Nur die Fremden bleiben stehen und reiben sich den Ruß aus den Augen. Die Einwohner von B. laufen mit zusammengekniffenen Lidern durch ihre Stadt, du könntest denken, sie lächeln.
Und diese Dünste, die als Wegweiser dienen könnten. Bitte gehen Sie geradeaus bis zum Ammoniak, dann links bis zur Salpetersäure. Wenn Sie einen stechenden Schmerz in Hals und Bronchien verspüren, kehren Sie um und rufen den Arzt, das war dann Schwefeldioxyd.
Und wie die Leute ihre Fenster putzen. Jede Woche, jeden Tag am besten. Überall saubere Fenster bei diesem gotterbärmlichen Dreck. Sie tragen weiße Hemden, weiße Strümpfe die Kinder. Das mußt du dir vorstellen, mit weißen Strümpfen durch schwarzes, schmieriges Regenwasser. Weiße Pullover werden hier am liebsten gekauft, hat die Verkäuferin gesagt. Fahr mal, guck mal - ich gucke mir die Augen aus dem Kopf, überall dieser Dreck. Wenn du die Zwerge aus dem Kindergarten in Reih und Glied auf der Straße triffst, mußt du daran denken, wie viele von ihnen wohl Bronchitis haben. Du wunderst dich über jeden Baum, der nicht eingegangen ist."
(Und Josefa fragt:)
"Was soll ich hier, Luise, wenn ich nichts ändern kann. Jedes Wort, das ich höre, jedes Gesicht, das ich sehe, verwandelt sich in mein Mitleid. Und in meine Scham. Ich schäme mich, weil ich gewußt habe, daß es diese Stadt gibt, und gegeizt habe mit meiner Phantasie, auf die ich so stolz bin. Auf der bin ich inzwischen durch Venedig gegondelt uder hab mich in New York zu Tode gefürchtet oder habe in Marokko die Orangen von den Bäumen gepflückt. Aber in dieses jederzeit betretbare B. habe ich sie nicht gelassen."
Wie Monika Maron, die die Stadt B. vor ca. 30 Jahren schon einmal besuchte, um als Journalistin der "Wochenpost" zu berichten, und die der Stadt mit dem Roman "Flugasche" ein Denkmal gesetzt hat, bin ich bei meinem ersten Besuch des Bitterfelder Bogens am 5. Oktober nach 30 Jahren zum zweiten Mal auf diesem Berg gewesen, an dessen Fuß ich von 1966 bis 1978 in dieser Stadt gearbeitet und in der Region bis 2006 fast 40 Jahre lang gewohnt habe.
Und dieser Besuch erfolgte durchaus auch wegen Monika Maron, die jetzt zu Buchlesungen aus "Der Bitterfelder Bogen" in Bitterfeld-Wolfen und in Dessau weilte.
Über meinen Besuch des Bitterfelder Bogens habe ich extra berichtet. Auf einer Tafel in der Nähe des Bauwerks ist neben anderen Einzelheiten für die Besucher Folgendes aufgeschrieben:
Dir Skulptur ist ein Wahrzeichen der Region und soll insbesondere den Bogen schlagen von der Vergangenheit in die Zukunft, von den Altindustrieanlagen zum modernen Chemie Park und vom Braunkohlenntagebau zur gestalteten Landschaft.
Dass in der Region die Zukunft schin begonnen hat, belegt "Der Bitterfelder Bogen", ebenfalls von M. Maron, in dem es allerdings weniger um das Bauwerk als um zukunftsträchtigen neue Industrieanlagen in der Region geht.
Nicht anders verhält es sich mit der Bitterfelder Vergangenheit, literarisch von M. Maron in "Flugasche" verarbeitet. Wer einen ausführlichen Bericht erwartet, sucht den in ihrem Roman vergeblich. Natürlich spielen die 180 t Flugasche und die Bezeichnung Bitterfelds als die schmutzigste Stadt Europas eine Rolle, aber in dem Buch geht es viel mehr um das Schicksal der Journalistin mit ihrem Versuch, wahrheitsgemäß über Bitterfeld zu berichten.
Die Kennzeichnung des ehemaligen Bitterfeld erfolgt mit den wenigen, aber um so treffenderen Sätzen, die nur ca. eine Seite füllen.
Monika Marons Journalistin Josefa äussert sich nach ihren ersten Besuch in B. ihrer Chefin gegenüber so:
"Ach Luise, du warst klug wie immer. Du hast gewußt, warum du mich mit Optimismus und Arbeitsfreude gepolstert hast, ehe du mich in dieses jammervolle Nest schicktest. Diese Schornsteine, die wie Kanonenrohre in den Himmel zielen und ihre Dreckladung Tag für Tag und Nacht für Nacht auf die Stadt schießen, nicht mit Gedröhn, nein, sachte wie Schnee, der langsam und sanft fällt, der die Regenrinnen verstopft, die Dächer bedeckt, in den der Wind kleine Wellen weht. Im Sommer wirbelt er durch die Luft, trockener, schwarzer Staub, der dir in die Augen fliegt, denn auch du bist fremd hier, Luise, wie ich. Nur die Fremden bleiben stehen und reiben sich den Ruß aus den Augen. Die Einwohner von B. laufen mit zusammengekniffenen Lidern durch ihre Stadt, du könntest denken, sie lächeln.
Und diese Dünste, die als Wegweiser dienen könnten. Bitte gehen Sie geradeaus bis zum Ammoniak, dann links bis zur Salpetersäure. Wenn Sie einen stechenden Schmerz in Hals und Bronchien verspüren, kehren Sie um und rufen den Arzt, das war dann Schwefeldioxyd.
Und wie die Leute ihre Fenster putzen. Jede Woche, jeden Tag am besten. Überall saubere Fenster bei diesem gotterbärmlichen Dreck. Sie tragen weiße Hemden, weiße Strümpfe die Kinder. Das mußt du dir vorstellen, mit weißen Strümpfen durch schwarzes, schmieriges Regenwasser. Weiße Pullover werden hier am liebsten gekauft, hat die Verkäuferin gesagt. Fahr mal, guck mal - ich gucke mir die Augen aus dem Kopf, überall dieser Dreck. Wenn du die Zwerge aus dem Kindergarten in Reih und Glied auf der Straße triffst, mußt du daran denken, wie viele von ihnen wohl Bronchitis haben. Du wunderst dich über jeden Baum, der nicht eingegangen ist."
(Und Josefa fragt:)
"Was soll ich hier, Luise, wenn ich nichts ändern kann. Jedes Wort, das ich höre, jedes Gesicht, das ich sehe, verwandelt sich in mein Mitleid. Und in meine Scham. Ich schäme mich, weil ich gewußt habe, daß es diese Stadt gibt, und gegeizt habe mit meiner Phantasie, auf die ich so stolz bin. Auf der bin ich inzwischen durch Venedig gegondelt uder hab mich in New York zu Tode gefürchtet oder habe in Marokko die Orangen von den Bäumen gepflückt. Aber in dieses jederzeit betretbare B. habe ich sie nicht gelassen."
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