Vieles wurde schon über Lamprecht geschrieben. Meist beziehen sich solche Artikel auf seine Leistungen und Ansichten. An dieser Stelle möchte ich den privaten Lamprecht vorstellen. Er wurde am 25. Februar 1856 in Jessen an der Elster geboren. Sein Vater, der Pfarrer des Ortes, war streng. Bis zum Lebensende litt Lamprecht unter dem Vergleich des Vaters mit seinem vor seiner Geburt verstorbenen Bruders. Dieser ist in Jessen auf dem Friedhof neben seinem Vater beerdigt. Der Vater hatte dessen Tod nicht verwunden und verglich den toten Sohn Georg mit dem lebenden Sohn Karl. Lamprecht äußerte einmal sinngemäß, dass er manchmal selbst glaubte, Georg lebte noch.
KL`s Bildungsgrad war zur damaligen Zeit denen seiner gleichaltrigen weit überlegen. Wenn er nicht in ein Buch oder in eine Zeitung vertieft war, suchte er in der näheren Umgebung von Jessen nach Forschungsobjekten und wertete sie aus. Mit 14 Jahren, tieferschüttert über den Krieg 1870, schreibt er glücklich an seinen älteren Bruder Hugo „ Der Friede ist da!“ Zwanzig Jahre später wird für die Gefallenen auf dem Marktplatz das Denkmal errichtet.
1871 zur Konfirmation trifft er auf einen Spruch, der ihn sein Leben lang begleitete:
Was wahrhaftig ist, was ehrbar ist, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet,
ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob,
dem denket nach.
K.L. litt seit jüngster Kindheit an Magenbeschwerden. Mit 14 Jahren muss er sich zur Badekur nach Bad Kösen begeben. Sein Gesundheitszustand war schlecht. Er, der er die sportliche Betätigung scheute, musste sich nun viel bewegen, was er auch willig tat. Dessen nicht genug, auch sein Augenlicht verlangte nach einer Brille., was ihm so überhaupt nicht gefiel. Mit 15 besuchte er Verwandte in der der Lausitz (Calau, Cottbus, Spremberg) und erlebte Niederlausitzer Bundessängerfest. Prompt erstellte er Studien über die Bevölkerung. Seine gute Beobachtungsgabe behielt er bis zum Lebensende.
Am 27.9.1873 erlebte er seine erste Oper, "Don Juan", in Leipzig. Er lebte bereits im Internat in Schulpforta. Am 12.09.1874 erhielt er sein Abiturientenzeugnis mit einer glänzenden Beurteilung: "Es ist bezeugt, dass KL eine große Intensität in der Vorbereitung und große Umsicht in geschichtlichen Kenntnissen zeigt" - seine Arbeit wurde als "gründliches Quellenstudium" bewertet (Inhalt: "De Peridis oratione funebri secunda" über Leichenrede des Perikles) Mit breit angelegten gewissenhaften Vorarbeiten und Konzepten, mit Genauigkeit bei der Übersetzung ins Lateinische, mit graphischen Darstellungen und chronologische Tabelle mit genauen Belegstellen überzeugte er die Lehrerschaft.
In Latein, Griechisch, Mathematik, Geschichte, Geografie erhielt er die Note vorzüglich; in Religion, Deutsch, Französisch, Hebräisch, Naturwissenschaften erhielt er die Note gut. Nur in Turnen reichte es nur für befriedigend.
Er studierte in Göttingen, besuchte Vorlesungen in Theologie, Logik, Psychologie, Geschichte der Philosophie, und Römische Rechtsgeschichte. Zum Lernstoff der Psychologie schreibt er: " Lese nun schon ein Quartal mit Andacht psychologische Werke, habs aber immer noch nicht ergründet".
1874 unternahm er den Versuch einer Burschenschaft beizutreten, lehnte aber die rein militärische Grundlage ab und ließ es sein. Zu dieser Zeit führte er mit seinem Bruder Hugo, der Theologe war, intensive Diskussionen über das sein und Nichtsein der Religion. Beide Pfarrerssöhne waren über das Wesen des Christentums in Zweifel geraten.
Mit 19 Jahren nahm an Vorlesungen über mittelhochdeutsche Dichtungen (Walter von der Vogelweide) teil, studierte Geschichte des Städtewesens, Erklären deutscher Rechtsquellen, Geschichte des Papsttums und Volkswirtschaftspolitik. Sein Bruder Hugo will ihm eine Übersicht einer Weltgeschichte beschaffen. Karl Lamprecht schreibt ihm : " ... Keine der vorhandenen Weltgeschichten seien für eine geschlossene Privatlektüre zu empfehlen. Sie sind allenfalls Orientierungshilfen." Das zeigte deutlich, dass er den Anfang für ein planvolles geschichtliches Studium gefunden hatte. 1876 startete er einen neuern Versuch für Vereinsarbeit und trat dem Studenten-Gesangsverein bei, obwohl er nicht singen konnte. Es gab zu jener Zeit Bierabende der Historiker, die er regelmäßig besuchte. Dort erregte er Aufsehen mit seinen geschichtlichen Diskussionen und Ansichten.
Im Sommer 1876 verlebte er seine Semesterferien im geliebten Jessen. Der Vater bemerkte seine Veränderungen und hat ihn sozusagen aus der väterlichen Gewalt entlassen, ohne dass es Vorkommnisse gegeben hat. Für junge Leser sei hier angemerkt, dass man in früherer Zeit lange auf seine Eltern gehört hat.
Am 07.03.1877 ließ er sich exmatrikulieren und zog im April nach Leipzig, Täubchenweg, Ecke Kurze Straße. Dort wohnte er im Dachgeschoß bei Witwe Ehrenberg gegenüber dem Johannisfriedhof. Hier schrieb er sich dann als Student für Geschichte ein, was seiner Zeit ungewöhnlich war. Im selben Jahr gehörte zu den ersten Mitgliedern, die am Aufbau eines historischen Seminars, mitgearbeitet haben (gegründet von Carl von Norden). Eine eigenartige Vorbedeutung für sein Leben für diese akademische Lehrstätte.
Mit 21 Jahren half er als Volontär (Freiwilliger) auf dem Gorrenberg bei Amtsrat Gräfenhain, um die Landwirtschaft in der Praxis zu studieren. Er hält einen Vortrag in Jessen.
Als er sich wieder dem Studium zuwendet, schrieb er eine erste wissenschaftliche Arbeit über Ives von Chartres. Diese war breit angelegt und außerordentlich gewissenhaft. Jedoch zur mündlichen Prüfung am 09.02.1878 fällt das Ergebnis darüber kritischer aus, weil "seine Urteile hin und wieder durch gewisse Unruhe getrübt sind". Es wird berichtet, das K.L. in Leipzig von 8-18.00 Uhr in der Bibliothek der Universität gearbeitet habe. Trotzdem fand er Zeit für kleinere Vergnügen und fuhr oft nach Hause. Mit 22 bemühte er sich um politische Orientierung, ohne anzukommen. An der entstehenden Sozialdemokratie fand er vieles richtig, lehnte aber parteimäßige Bindungen ab. Auffällig war sein Solidaritätsgefühl mit dem Los der Arbeiter.
Als 1878 sein Vater ernstlich krank wurde und ständig Hilfe brauchte, die auch damals bezahlt werden musste, häuften sich Lamprechts finanzielle Probleme. Die Kosten des Studiums bezahlte der Vater. Im Februar 1878 weilte er länger in Jessen, um dem Vater nahe zu sein.
Im Sommersemester reiste er nach München und wohnte in der Schellingstr. 27/ III Wohnung. Er besuchte sämtliche Kunst- und Kulturstätten in der Stadt, vertiefte sich in Sempers Werke, interessierte sich für Kostümkunde des Mittelalters und legte eine Sammlung "Libri picturati" an. Das Semester selbst beschäftigte sich mit Kunstgeschichte und Kunstarchologie des Deutschen Mittelalter.
Im Dezember 1878 starb sein Vater in seinen Armen. Er half seiner Mutter bei den notwendigen Begräbnisvorbereitungen und fuhr nach der Beerdigung wieder nach Leipzig zurück. Dort wohnte er in der Nürnberger Str. 30.
1878 erschien sein erstes Buch : „Erörterung über das Wirtschaftsleben 11.Jahrhundert in Frankreich“. Zur damaligen Zeit war das eine seltene Arbeit, die nicht unbeachtet blieb. Die Aufbereitung des riesigen Materials für die Agrargeschichte war erstaunlich. Zwischen Verfassungs- und Rechtsgeschichte einerseits und der Wirtschaftsgeschichte anderseits wurde eine sichtbare Verbindungslinie gezogen.
Am 1.4.1878 wurde er Probekanditat am Kölner Gymnasium und Hauslehrer bei der wohlhabenden Familie Deichmann in Köln, Trankgasse 7a. Für sie erarbeitete eine Familiengeschichte rückwirkend bis in das Jahr1391 und legte sie Weihnachten 1879 vor. Diese Arbeit ist verschollen.
Im Winter 1879 traf er auf Gustav von Mevissen, seinerzeit ein wichtiger Wirtschaftsboss im Rheinland. Lamprecht nahm das Angebot an, die rheinische Wirtschaftsgeschichte vom 7.-13.Jh. zu dokumentieren. Dafür erhielt er 600 Taler pro Jahr auf zwei Jahre begrenzt, 1 Freibillet für die Rheinbahn für ein Jahr. Natürlich waren sofort Neider da. Einige Historiker der Universität Bonn waren sprachlos, wie sich Mevissen erdreisten konnte diesen jungen Mann so derart vor ihnen zu bevorzugen. K.L und Mevissen sahen nur den Kern der Sache, Ihnen lag nichts daran, jemanden zu brüskieren. Eine Animosität gegen den jungen Karl Lamprecht war spürbar. Karl Lamprecht ging mit dieser unglücklichen Belastung in sein wissenschaftliches Leben. Er wollte ja eine Habilitation an der Universität Bonn. Darin liegt die Tragik in Karl Lamprecht Leben, dass sich Dinge immer so entwickelten, dass sie zwar positiv für ihn waren, er keine Fehler machte, aber der "Neid" der anderen bestimmte Lebensziele zerstörte. Lamprecht kalkulierte, wie er seine Lage am besten gestalten konnte. Ein Zug, den er seit seiner Schulzeit bis ins späte Mannesalter begleitete. Er wollte zurechtkommen und arbeiten "mehr verlange ich nicht, ist doch das Glück mir bisher schon in überreichem Maße günstig gewesen", schreibt er 1879. Das Angebot nach Bremen zu gehen, lehnte er ab. Er legte das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab und begann das Probejahr als Kandidat für das höhere Lehramt. In Bonn lebt er in Wohngemeinschaft mit den Brüdern Zimmer, die Theologen sind, in der Arndstr. 11 in Bonn. Seine Mutter schickte ihm seine Bücher und die des Vaters sowie Haushaltsgegenstände aus Jessen. Darunter war des Vaters Schreibpult und Sessel, ein Wandbild und zwei Bücherregale. Zu guter Letzt legte sie 200 Taler dabei. Auch Deichmanns halfen finanziell. K.L. nahm aber nur das an, was er wirklich notwendig benötigte.
1880 wurde K.L. unerwartet zu einer vierzehntägigen militärischen Übung beim Intf. Regiment 65 einberufen. Danach sollte er zur Wahl als Offizier gestellt werden. Es kam zu Schwierigkeiten, die Lamprecht nicht zu verantworten hatte. Der verantwortliche Oberst der Landwehr wollte sich für einen anderen Kandidaten entscheiden. Es war der jüdische Privatdozent Johannes Franck. In der Universität zeigte man sich empört. Man setzte durch, dass die Wahl auf den in statu habilitandi befindlichen Lamprecht fiel. Am 14. 08. 1880 wurde er Seconde-Lieutenant. Er musste aber vorher versichern, dass er in geordneten und gesicherten Verhältnissen lebte. K.L. verwies auf sein Staatsexamen und auf das Stipendium von Mevissen. Außerdem erwartete er 400 Mark aus einer wissenschaftlichen Arbeit, ein Honorar für die Mitarbeit der Schosserschen Weltgeschichte. Das alles war für den kränklichen Lamprecht zu viel. Am 19.4.1880 zerrte ein starkes Magenleiden an ihm. Nur enge Freunde wussten davon und zu denen meinte er : "Ja, dafür bin ich Lamprechtsch".
Im Juni hielt er endlich seine Habilitationsschrift (über den Chronisten Dietrich Engelhus ) in der Hand Er legte eine hervorragende mündliche Probelesung vor. Er wurde Privatdozent.
Als er in Düsseldorf die Ausstellung kunstgeschichtlicher Altertümer besuchte, verwendete er das dort erlebte für seine Arbeit, was man ihn als "Verwirrung" anrechnete.
Am 9.12.1880 hielt er im Verein der Altertumsfreunde zu Bonn einen Vortrag über Bilderschmuck des Codex Egberti Alle waren sehr erstaunt darüber. Das war ein Aufsehen erregender Vortrag, und wurde in den Bonner Jahrbücher veröffentlicht. Er hatte kulturhistorisches Material gefunden, das seine Studien von der Rolle der Individualität gegen über der Gesamtentwicklung belegte. Er fand die Alternative dazu. Vergessen wir nicht, Lamprecht ist gerade 24 Jahre alt.
Doch all der Erfolg hatte auch Nachteile, die dem jungen Lamprecht wohl nicht sonderlich auffiel. Die Ablehnung bei seinesgleichen war vorprogrammiert. Jemand, dem alles so spielend zufiel, der so intensiv arbeitete und entsprechend gefördert und bevorzugt wurde, hatte nicht zehn Punkte auf der Beliebtheitsscala. Entweder war es K.L. egal oder er nahm es nicht ernst. Er stürzte sich freudig in die Arbeit. So hielt er Vorträge über Dombaufest in Köln und nahm an den Feierlichkeiten teil. Er reiste durch das Rheinland, hielt Vorträge. Sein Buch "Der Dom zu Köln und seine Geschichte" 1881 war schnell vergriffen.
Mevissen öffnet die Türen zu vielen gesellschaftlichen Anlässen. Lamprecht empfand es nicht als Last, sondern nutzte die Veranstaltungen, um Verbindungen zu knüpfen. Beide hofften, die Animosität zu beseitigen.
Im Jahre 1881 beschäftige er sich intensiv mit Ornamentik sowie mit Willebriefe und führte eine rege Korrespondenz mit Verfassungshistorikern, die die se Arbeiten positiv aufnahmen. Für seine Studien zur rheinischen Wirtschaftsgeschichte betrieb er einen riesigen Aufwand an Korrespondenz mit allen bekannten Persönlichkeiten unter den Historikern, Archivare, und Bibliothekaren. Als seine „Quellen zur Geschichte der Abtei Prüm, besonders zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte" lebhaft zugrunde diskutiert, wurden, raubte es ihm kurzfristig den Elan.
Eine erneute sechswöchige Einberufung zur Militärischen Übung beim 2. Rheinischen Regiment 28 als Offizier kam da gerade richtig. Lamprecht empfand das als Zeitverschwendung. Der junge Offizier fiel jedoch durch seine großen Kenntnisse im Kartenlesen und im Gelände auf. Jedoch mit der Führung seines Zuges hatte er wenig Geschick. Als er einmal mit seiner Einheit die beiden anderen Züge seiner Kompanie decken sollte, hatte er das Pech, diese unter Feuer zu nehmen. Korpskommandant von Loe, der der Übung beiwohnte, ließ Lamprecht kommen und fragte nach seinem zivilen Beruf. Kurzerhand sage er zu ihm: „ Schreiben Sie lieber Bücher und bleiben Sie mir aus der Front!“ . Ein Ausspruch, dem Lamprecht innerlich gern zustimmte.
Zu Ostern 1882 besuchte er seine Mutter, die jetzt in Prettin wohnte. Er schwärmt ihr von Bonn und dem Rheinland vor und lud sie ein, sich das einmal näher anzuschauen. Für die 62 jährige stellte er eine Reiseroute zusammen. Als Mutter Lamprecht dort ankam, sah sie ihren Sohn das erste Mal mit Vollbart, lachte darüber, wie andere auch. Karl Lamprecht zeigte ihr Bonn, Godesberg, Köln u.v.m. Etwas bieten konnte er der Mutter schon, denn in der Zeit ein Stipendium von 500 Talern jährlich auf drei Jahre. Er nutzte diese privaten Fahrten trotz allem als „Forschungsreise“, weil er sich verpflichtet fühlte, das ihm zugestandene Geld nützlich auszugeben.
Sein Tatendrang in alle Richtungen wurde im Sommersemester 1882 jäh beendet. Er war überarbeitet und hatte sich zuviel aufgebürdet. Diese Schwäche gibt er zu. G. von Below ist dabei und der urteilt später: Flüchtigkeit, Hast und Eile.
Bei K.L. trafen die Widrigkeiten stets gebündelt auf. Seine geliebte Mutter stirbt 1882. Sie hinterlässt einen Lebenslauf, den Lamprecht als „herrliches Zeugnis von tiefer Innigkeit“ nennt und diesen fein säuberlich abschrieb. Wieder bekämpfte er die Trauer mit Arbeit. Mevissen, inzwischen väterlicher Freund, bietet ihm finanzielle Hilfe an. Lamprecht :" Ich werde sie aber nur im Notfall annehmen". Er klammert sich an seinen Bruder und dessen Frau, die nun die einzigen seiner Familie sind. Von ihnen erhielt Stütze und Hilfe, aber vor allem konnte er seinen Kummer und seine Berufssorgen dort abladen.
1882 wird Bonn von einem schweren Hochwasser getroffen. Im Dezember 1882 hält Karl Lamprecht einen Vortrag über „Das deutsches Städteleben am Schluss des Mittelalter" (floss in "Deutsche Geschichte" Band IV ein) den Erlös des Vortrages spendete er dem für Hilfsfond.
1882 äußert er: "Ich habe eine große wissenschaftliche Arbeit vor, die eigentlich das Meisterstück werden soll: jedenfalls ein Opus sehr mühseliger und ausgedehnter Forschung. Gelingt die Sache und trifft sie den richtigen Moment, so bin ich nicht zweifelhaft, dass der Eindruck auf unserer Forschung ein bleibender sein wird". Noch immer ist er Privatdozent, 26 Jahre alt, veröffentlicht verschiedene erfolgreiche Arbeiten und beginnt mit Band I der Deutschen Geschichte. 1883 erkrankt er schwer, wieder der Magen. In den zwei Monaten versuchte durch Bewegung und Wandern und Reisen das Leiden zu lindern. Er traf sich mit engen Freunden, nur diese wussten von seiner angeschlagenen Gesundheit.
Im Oktober 1883 besucht er Berlin. Beim Besuch der Nationalgalerie bewunderte er das Bild "Luther bei der Bibelübersetzung" von Sprangenberg. Es beeindruckte ihn sehr. Er studierte die Hamiltonsammlung, war im Beuth-Schinkelmuseum, im Hohenzollermuseum in Monbijou, im Kunst Gewerbemuseum und im Schloß. Dabei hatte er immer sein Notizbuch griffbereit.
Als am 25.12.1883 Carl von Norden stirbt, der Mann, der seine ungewöhnliche Begabung schätzte und förderte, trifft ihn dieser Verlust sehr.
Noch immer drückt ihn die Geldnot. Am 1.1.1884 besaß er noch 396 Mark und 45 Pfennige. Er fährt zu seinem Bruder, der von Ballerstedt nach Messdorf gezogen war und dort der Pfarrer des Ortes wurde. Zurück aus dem Schoße der Familie mit frischen Gedanken, traf er sich in Berlin mit Althoff. Dieser gibt ihm den Tipp, sich mit seiner Geschichtsauffassung zurück zu halten. Sein Draufgängertum verlangte Ehrlichkeit, was für die Zukunft wichtig war. Karl Lamprecht wurde vorsichtiger und veröffentlichte völlig unverfängliche Arbeiten z.B. "Zur religiösen Anschauung der Laienwelt in Frankreich während des 11. Jh." in der Zeitschrift "Kirchengeschichte". Über Berlin schreibt er: „In Berlin wurde ich außerordentlich freundlich aufgenommen und habe schöne Gesichter gesammelt, hoffentlich genug, um sie im Winter gegen die sauertöpfischen Bonner austauschen zu können." Hier traf oder sah, die Quelle ist da nicht eindeutig, Bismarck abends 6.00 Uhr am Berliner Bahnhof. Die Begegnung hat ihn sehr beeindruckt.
Ein Wendepunkt in seiner Karriere tritt ein, als Prinz Leopold an seiner Vorlesung teilnehmen möchte. Karl Lamprecht macht es nicht publik : "Vorläufig halte ich natürlich den Mund, sonst kommen mir die Onkels wieder zwischen." Doch es sickerte durch und brachte ihm viel Neid ein. In Bonn hatte er nun keinen wirklichen Halt mehr. Fachkollegen lehnten ihn ab, entweder aus Ansichtsgründen oder persönlich motiviert.
Aber auch Mevissen, sein Förderer, kritisierte ihn in ehrlicher Aufrichtigkeit. Lamprecht brauchte diesen Dämpfer, um seine Höhenflüge nicht zu Bauchklatschern werden zu lassen. 1885 kostete er alle Freuden des Kölner Karnevals aus und lernte viele Leute kennen. Seither hat er solche Zerstreuungen geliebt. Seine Ausgelassenheit und durchbrachten Nächte hatten keinerlei Einfluss auf seine Arbeit. Er konnte ohne Schlaf angestrengt arbeiten.
Am 16.6.1885 auf der Generalversammlung des Historischen Vereins wurde folgende Ansicht der Fachhistoriker über K.L. geäußert: " Karl Lamprecht hat eigene und eigentümliche Betrachtungsweisen geschichtlicher Fakten" Diese gefielen ihnen nicht. K.L. war beruflich zu aktiv und nebenberuflich ebenso, was zu jener Zeit sehr außergewöhnlich war. Das war der eigentliche Stein des Anstoßes, denn andere Fachkollegen waren eher geruhsam abwartend. Nur seinem unbändigem Arbeitseifer und seiner Zähigkeit hat KL die Erreichung seiner Ziele zu verdanken. Seine Leistungen waren einzigartig.
1885 erkrankt er wieder an Magenbeschwerden mit schlimmen Kopfschmerzen, die Folge von Überarbeitung. Er besucht seinen Bruder Hugo. Sie wanderten viel, diskutierten lebhaft über kirchliche Fragen, ohne gleicher Meinung zu sein oder zu streiten. Sein Bruder neckte ihn, dass er sich endlich eine Frau suchen sollte. Lamprecht darauf: "Arbeiten und Süßholzraspeln, das kann ich nicht beieinander."
Er arbeitet weiter an seinen Vorhaben, besucht Archive wie das in Trier, wo ihm die Türen offen standen und er intensiv Material für die "Deutsche Geschichte" sammeln konnte. Nicht unerheblich war dabei der Einfluss von Mevissen.
Karl Lamprecht hatte einen Studenten, A. Marigan , den er täglich von 11 bis 13.00 Uhr für geschichtswissenschaftliche Studien in französischer Sprache unterrichtete. Er hatte ein unwohles Gefühl, sah darin Zeitverlust, nutzte die Situation aber, um die französische Sprache zu vervollkommnen. Marigan begründete später die Zeitung "Le Moyen age" und wurde sehr bekannt. Er veröffentlichte darin die gesamte Literatur des Mittelalters in französisch und natürlich auch Schriften von Lamprecht.
Durch seinen Bekanntheitsgrad wurde Lamprecht ständig zu gesellschaftlichen Veranstaltungen eingeladen. "Ich bin nun mal kein Gesellschaftsmensch, die ganze Geschichte ist mir grässlich langweilig, wenn nicht getanzt wird." So fuhr er lieber wieder zu seinem Bruder ins ruhige Messdorf (1886). Die beiden ergänzten sich in ihrer Arbeit: Hugo der Pfarrer - Karl Lamprecht der Historiker. Sie diskutierten gemeinsam kirchliche "Missstände" und waren dabei oft einer Meinung.
Im August 1886 (30) verschlechterte sich Lamprechts Gesundheitszustand sehr heftig, so dass er gezwungen war, sämtliche Arbeiten für einen Kuraufenthalt in Herrenalb im Schwarzwald aufzugeben. Dort lernte er am 27.8.1886 Mathilde Mühl kennen. Nach einer Woche waren die beiden bereits verlobt. Er liebte diese Frau fest und innig, schrieb sogar Gedichte für sie. Schon vor der Ehe zeigten sich bei Mathilde Krankheitssymptome, die nichts Gutes erahnen ließen. Er trug dieses Leid still. Man wunderte sich zwar bei der Generalversammlung des Historischen Vereins für den Niederrhein in Jülich im Oktober 1886 , dass Karl Lamprecht nicht wie gewohnt das Wort ergriff, aber kein Mensch wusste, wie es in seinem Innern aussah. Zu dieser Zeit arbeitete er an seinen „Rheinischen Skizzen“. Im Sommer 1887 wurden Karl und Mathilde endlich, nach vielen Terminverlegungen, in der Neuen Kirche zu Straßburg getraut. Eine schlichte Hochzeitsfeier rundete das Fest ab. 1888 folgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor. Im selben Jahr kaufte er Rankes Büste. Seltsam, da er nicht mit Rankes Geschichtsauffassung übereinstimmte. Vielleicht war es seine Art, den großen alten Historiker zu achten.
1888 wurde seine erste Tochter Marianne geboren. 1890 folge Elisabeth, die Großmutter von Amata Niedner. Karl Lamprecht begann Gäste in sein Haus einzuladen. Vor allem Freunde wie Franck, Budde, Hansen, Klinger, aber auch Loersch, Nasse, Hüller, Ritter, Dove, Menzel. Es war eine glückliche Zeit.
Nach der Geburt des zweiten Kindes zeigte Lamprechts Frau starke gesundheitliche Veränderungen, so dass er nach langem Hin und Her einwilligte, die Mutter seiner kleinen Töchter in die Binswangersche Anstalt nach Kreuzlingen zu bringen (Nervenheilanstalt). Lamprecht war plötzlich allein erziehender Vater. Er besuchte regelmäßig seine kranke Frau und entwickelte eine außergewöhnliche, sorgsame und liebevolle Beziehung zu seinen Kindern. In diese Zeit fielen seine ersten Arbeiten für die Organisation des Historischen Seminars.
Am 28.5.1888 folgte die Ernennung zum außerordentlichen Professor. Das Ereignis wurde gefeiert. Es gab einen gemeinsamen Mittagstisch. Zu Gast waren: Budde, Hansen, Franck, und Klinger. Davon wurde ein Foto gemacht. Gratulationen kamen auch von Below und Gneisse per Brief sowie von Althoff.
1889 zog die Familie in die Arndtstr 33 in Bonn, von schlicht in schick. Nach einem kurzen Weihnachtsurlaub mit Frau und Kinder in Strassbuorg erwarteten ihn 1889/90 sehr viele Seminare und Vorlesungen. Alfred Doren äußerte: Man merkte es ihm nicht an (die viele Arbeit). Karl Lamprecht war vollausgelastet, kümmerte trotz allem sehr viel um seine Studenten, und unternahm Exkursionen mit ihnen.
An Bernheim schrieb er 1890, das der erste Band der "Deutsche Geschichte" im Winter fertig sein würde. Woher nahm er bloß die Zeit?
Im Januar 1890 wurde er nach Marburg als Ordinarius berufen. Die Sache ging sehr schnell und in aller Stille. Althoff war überzeugt, dass Karl Lamprecht einen größeren Wirkungskreis brauchte. Andere Kollegen zeigten Neidkomplexe. Der Abschied vom Rheinland nahte. Jetzt, wo seine Frau nach Geburt 2. Kindes schwer erkrankt war, rissen ihn diese gesundheitlichen Veränderungen aus seiner kleinen Familienwelt. Die Ärzte waren besorgt. So kam es, das seine Frau in Biswangerische Klinik nach Kreuzlingen, kam. Lamprecht war hilflos, obwohl er von allen Seiten selbstlos Hilfe bekam. Die Haushaltauflösung in Bonn folgte und der Umzug nach Marburg. Beim Abschiedstreffen auf Jahresversammlung der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde am 26.3.1890 liefert Lamprecht offiziell die fertig gestellte Ada-Handschrift. Mit Wehmut ließ man Karl Lamprecht gehen.
Im Hintergrund der Geschehnisse, fern ab der Familie, verfeindete sich K.L. mit der Historischen Zeitung, genauer gesagt mit v.Sybel und Lehmann (mehr Sybel lt. K.L.) Karl Lamprecht durfte seine Kritiken nicht einsehen. Lehmann schrieb ihm, dass das nicht stimmt. Lehmann unterschreibt das Schreiben nicht. Die Farce spitzt sich zu. Lamprecht ist zu offensiv, die anderen gehen in Deckung. Der Streit ist vielen lästig. Sie empfinden ihn als unsinnig. Man spricht von Cliquenschwätzerei und Schreiern, deren Ignoranz noch die Unbescheidenheit übertrifft!
An der Universität in Marburg wurde Karl Lamprecht bestaunt, weil er eine außerordentliche Arbeitsleistung zeigte und vielseitig einsetzbar war. "Wer in Kunstgeschichte und Nationalökonomie vertretungsweise eingesetzt werden konnte, der war kein Durchschnittsmensch!" Diese Vielseitigkeit hatte ihm auf Dauer aber auch Schaden gebracht. Seine volle Konzentration auf sein Lebensziel war eingeschränkt.
In Marburg pflegte er einen wissenschaftlich-geselligen Verkehr. Trotz allem war die Übersiedlung nach Marburg, wegen der Krankheit seiner Frau, sehr schwierig,. Seine Wohnung am Plan 4 in Marburg war recht hübsch und gemütlich, doch der Haushalt und die Kinder forderten Zeit. Sein Bruder besorgte ihm eine Hausdame, wodurch zumindest eine geregelte Ordnung gesichert war.
An der Universität in Marburg hatte Lamprecht viele Hörer. Mehr als seine Kollegen, was einigen peinlich war und wiederum Missgunst erregte. Mitten in diese Zeit platzte erneut eine schlechte Nachricht herein: seine Frau sollte nach Schloß Werneck bei Schweinfurt verlegt werden. Das traf ihn tief, hatte er doch so sehr auf Heilung gehofft.
Er unternahm Archivreisen ins Rheinland, nach Köln, Düsseldorf, Xanten, Cleve, Arnheim, Den Haag, und Brüssel. Anschließend besuchte er seine Frau in Werneck. Er blieb eine Weile und ordnete dort die Unterlagen von seiner Archivreise, bereitete es so vor, dass sie druckfertig war.
Dann trat er eine neue Archivreise an, die ihn nach Würzburg, Bamberg, Bayreuth, Eger, Prag, und Brünn führte. In Brünn hatte er Vortragsverpflichtungen. Die Rückfahrt führte ihn über Glatz, Breslau, Görlitz, Leipzig zurück nach Marburg. Kurz vor der Herausgabe des 1. Bandes der Deutschen Geschichte 1891 erreichte ihn die Nachricht, dass seine Frau umgehend in eine andere Klinik verlegt werden muss. Unsäglich litt Lamprecht in dieser Lage. Er kannte nur ein Mittel: sich durch unablässiges Arbeiten zu betäuben. Wissenschaftler in seiner unmittelbaren Nähe bewunderten seine ungewöhnliche Arbeitskraft und seinen seltenen Scharfblick. Wen wundert es, dass ihm auch Fehler unterliefen.
Im Herbst 1891 erschien sein 1. Band der "Deutsche Geschichte". Er schickte ein Exemplar an seinen Bruder und bat ihn, sofort die Stellen zu melden, die für Nichthistoriker schwer lesbar oder gar unverständlich seien. Das Kultusministerium forderte ein Exemplar für den Kaiser an. Karl Lamprecht war unter Höchstspannung, wie sein Werk angenommen wird.
Er befand sich im Dezember 1891 gerade bei seiner kranken Frau, als er zum ordentlichen Professor für Mittelalterliche und neuere Geschichte nach Leipzig berufen wurde. Am 27. 12.1891 erfolgte die Ernennung. Er musste schweren Herzens seine Frau in der weit entfernten Klinik lassen und stürzte sich wieder verbissen in die Arbeit. Er schreibt in jener Zeit: „Aber die Liebe hofft in Geduld, und sie glaubt an ein Wunder auf dunklen Gebieten, wo Menschenwitz aufhört und Menschenhand nicht einmal tastet. Auch bei uns kann noch einmal Frühling werden, kann alles, alles sich wenden.“
1891wurde in Leipzig und Dresden wurde die Neubesetzung des Lehrstuhls der Universität Leipzig beraten. Man einigte sich auf Karl Lamprecht. Aber einige wollten das nicht, die Rangfolge war nicht eingehalten und gegenüber Karl Lamprecht baute sich eine Mauer des Neides auf. Ein wahrer Hickhack um Besetzung des Postens entfachte. Maurenbrecher schreibt: " Zu einem Universitätslehrer der Geschichte aber ist nur derjenige geeignet, der - selbstverständlich mit vollster Beherrschung des wissenschaftlichen Handwerkszeuges - den Studierenden auch den ethischen und politischen Gehalt der geschichtlichen Ereignisse vorzutragen versteht und gewohnt ist." Er glaubte das Lamprecht dieser Mann wäre. KL hatte die großen Zusammenhänge wirtschaftlicher Zustände mit rechts- und Verfassungsgeschichte gesehen und als Historiker gründlich dargestellt. (Zitat Maurenbrecher im Seperatvotum S 51/I -2). Am 22./23.12.1890 fand die entscheidende Verhandlung über Besetzung von Karl Lamprecht an der Universität Leipzig für Leipziger Lehrstuhl für mittelalterliche und neuere Geschichte statt. Am 24.12.1891 befand sich Lamprecht mit seinen Kindern bei seiner Frau in Werneck. Am 27.12.1891 eilte er nach Leipzig, wo die Ernennung erfolgte.
Im April 1891 zog Lamprecht in die Thomasiusstr. 2. Leipzig hatte sich im Laufe der Jahre zu eine modernen Stadt entwickelt. Es lebte sich gut in dieser Stadt. Sie forderte aber auch ihren Preis. K.L. musste viele Besuche absolvieren. Er zählte 148! Seine Antrittsrede am 25.4.1891 an der Universität in Leipzig hielt er über " Die politisch und geistigen Strömungen des 10. Jh. Und das Kaisertum Ottos III." Diese Rede erregte großes Aufsehen, auch wegen der Lebendigkeit seines Vortrages. Der Text dieser Rede ging teilweise in Band II der Deutschen Geschichte ein. Er entwickelte in Leipzig die Gewohnheit: Stücke der "Deutsche Geschichte" als Probe in Zeitschriften drucken zu lassen. Er bemühte sich auch mit Artikeln in der Historischen Zeitung präsent zu sein. Diese Art der öffentlichen Präsenz war ihm sehr wichtig. In seiner knappen Freizeit suchte er Kollegenkreise auf, machte Ausflüge und Spaziergänge in kleinen Gruppen mit seinen Studenten. Sehr bald kannte jeder den rüstigen Mann, der sich öfter reitend in den Leipziger Parks zeigte. An der Universität hatte seine eingehende, gewissenhafte Art, wie er dies tat und sich mit Stoffen auseinandersetzte, einen großen Achtungsgebietenden Eindruck gemacht.
In den Ferien fuhr nach Alexanderbad im Fichtelgebirge, wo seine Frau hingebracht wurde. Hoffnung auf Besserung wurde ihm nicht gemacht. Die Verpflegung und die Heilmittel musste er bezahlen, weil sie der Kranken verwehrt wurden. Diese schlechte Behandlung lehnte er ab und brachte seine Frau schließlich nach Bad Kösen. Dieser Entschluss zeigte positive Wirkung. Tatsächlich erholte sich Frau Lamprecht gut und das brachte ihm einen freudigen Arbeitsauftrieb. „Ich vermag seit langer Zeit wieder flott zu arbeiten“, schreibt er an einen Freund. Sein zweiter und dritter Band der Deutschen Geschichte waren in Arbeit. Das war eine kurze und schöne Zeit für ihn und auch für seine Kinder in Bad Kösen.
Sein Bruder Hugo Lamprecht plante 1891 einen Familientag in Magdeburg. Er bat Karl, etwas wissenschaftlich Gültiges über die Familie vorzulegen. Dieser hatte das nie in Erwägung gezogen und zeigte auch kein Interesse daran.
1892 wurde Lamprecht die Ehre zu teil, die konventionelle Königslesung zu halten (weil er am 1.7.91 den Vortrag bei König Albert hielt). Das führte zu Verstimmungen im Lehrkörper. Er hielt auch Vorträge im Buchhändler-Börsenverein und trat so in die bürgerlich-kaufmännischen Kreise ein. Der Saal war über voll!!!
1892 kam Emma Bruch, die Tanti, ins Haus und blieb bis 1919. Jegliche Versuche, Lamprecht eine Beziehung mit dem Kindermädchen unterzujubeln, scheiterten. Für die Töchter war die Tanti die engste Vertraute.
1892 reiste Lamprecht für "Deutsche Geschichte" Band IV an die Ostseeküste Er lernte schwedisch und dänisch. Er sah die Städte Lübeck, Kopenhagen, Korsör, Wisby, Stockholm und Kiel. Ostern befand er sich in Dresden und studierte die Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts. Als Maurenbrecher schwer krank wird, muss sich K.L. mit Reformgeschichte befassen. Er las unter anderem Luthers Schriften und schreibt: "Der Mann hat furchtbar viel geschrieben. Und gerade die Parerga, die Briefe, die kurzen Notizen bieten das Schönste... Ich verschmiere das Exemplar mit Ahas und Ohos!" Die Tischreden waren für KL eine Fundgrube für die Erkenntnis von Luthers Persönlichkeit.
Im Jahre 1892 erhält er eine Sondergratifikation von der Albrechtsstiftung für besondere Mehrarbeit!
Am 21. Januar 1893 erlebte Lamprecht einen seiner schwersten Schicksalsschläge.
Nachdem man glücklich im Kreise der Familie das Weihnachtsfest verlebt hatte, veränderte sich der Gesundheitszustand seiner Frau so katastrophal, dass sie sofort in ein Privatsanatorium nach Leipzig-Thonberg überführt wurde. Lamprecht: „ Es ist furchtbar, ich halte die neuen Schläge nicht mehr so aus wie die früheren… Was hilft demgegenüber jeder Erfolg, der mir so reich in den Schoß fällt?“ Es war gut, das Emma Bruch zugegen war, dauernd im Hause blieb. So waren die häuslichen Verhältnisse stabil. So traurig er war, das seine „Thilde“ in Thonberg blieb, so befriedigt und ruhig war er, dass seine beiden Töchter im Alter von fünf und drei Jahren von nun an in Emma Bruch eine treusorgende Pflegemutter hatten. Er selbst erstickte wie immer in rastloser Arbeit
seinen Kummer. Sein Einsatz für sein Lebenswerk steigerte sich.
Schon bald muss er selbst zur Erholung und begibt sich nach Verona in Oberitalien.
Das Jahr 1893 bringt nicht nur die Auszeichnung mit dem roten Adlerorden, der ihm sehr wichtig war. (Warum, ist nicht überliefert.) Ärger innerhalb der Universität um Postenbesetzungen beschwörten böse Spielchen herauf. Die Gründung der Historischen Kommission war sehr schwierig und zog sich lange hin. Es ging um Geld und blankem Bürokratismus. Seine Arbeiten zur Deutschen Geschichte wurden dadurch stark beeinträchtigt und die Sorge um seine Frau tat das Seinige dazu. Schließlich entschied sich Karl Lamprecht für Urlaub mit Familie in Meßdorf , um zu arbeiten. Dafür gab die Pläne einer größeren Reise auf. Mit Bruder Hugo diskutierte er vor allem Probleme der Reformationsgeschichte. Er erledigte gründlich Referate für Dissertationen und hatte "auf glänzende Weise das Neue kurz und prägnant herausgeholt". Wanderungen in den Harz unternahm er bewusst für seine Erholung. Ausgeruht und erholt stellte er sich mit einer hervorragenden Arbeitsqualität seinen Aufgaben, wie Hörer seiner Lesungen berichteten. Doch die Machtkämpfe an der Universität schwelgten weiter. Lamprecht waren die Streitigkeiten unangenehm und er war traurig darüber. Ihm wurde erstmals richtig klar, dass bei genügendem Einfluss, die ganze Fakultät so zu beeinflussen ist, dass selbst sachliche Gründe beiseite geschoben werden konnten. Es wurde ihm bewusst, dass persönliche Gruppen und Cliquen oft den Ausschlag geben konnten.
1894 traf er die Vorbereitungen für den Historiker Tag in Leipzig, wo er viele prominente Kollegen zu Vorträgen verpflichteten konnte. Er schloss (das war einmalig) alle mit ein, nicht nur Fachkollegen. Auch Kirchen-, Rechts- und Kunsthistoriker sowie historisch interessierte Nationalökonomen und Schulmänner. Auch den Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung bezog er mit ein. Das war klug, zeugte von seinem Weitblick, allen Zugang zur Geschichte zu geben .Man hatte mit 200 Teilnehmern gerechnet, 377 kamen. Das Ganze fand in der Zeit vom 29.März bis 1. April 1894 statt. Die Festschriften wurden knapp, einige waren darüber sauer. Eine Kritik im Berliner Tagesblatt am 6.4.94 äußerte sich darüber sowie die Frankfurter Zeitung am 3. + 10. Mai 1894. Es war die Bismarck Gegenerschaft.
Der Historikertag war rundum sehr gelungen. Er verband verschiedene Menschen, die sonst nicht miteinander redeten. Karl Lamprecht sprach nicht zum Historikertag. Der kultur- und landespolitische Inhalt der Tagung wurden gelobt. Es gab Lob vom Ministerium Dresden. Ab jetzt trugen künftige Historikertage Leipzig als Vorbild! Später lehnt es Lamprecht ab, auf künftigen Historikertagen, politische Dinge zu behandeln, da dies kein Forum dafür sei.
1894 wurde der "Historischen Abend" gegründet. Lamprecht wollte diejenigen, die weiterhin Verbindung mit zünftigen Historikern der Universität halten wollten, z.B. Schulmänner und historisch interessierte Kollegen, diese Möglichkeit einräumen. Man traf sich 2x Mal im Monat.
Neujahr 1895 erhielt Lamprecht eine Einladung nach Friedrichsruh zu einen Besuch bei Bismarck.
Unermüdlich schob Lamprecht neue Ideen an. So entwickelte er den "Leipziger Plan", einen Studienplan für Geschichtsstudium und ruft die "Konferenz des landesgeschichtlichen Publikationsinstitutes" ein, deren Leiter er war. Als 1895 der Verband Deutscher Historiker gegründet wurde, war es seine Aufgabe, Konferenzen zu organisieren. Die Rezension von G.v.Below (Prof. in Münster) über die ersten drei Bände der deutschen Geschichte fällt gemäßigt aus. Es wurde noch nie so ausführlich eine "Deutsche Geschichte" unter so intensiver Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Dinge geschrieben. Von Below bewunderte eigentlich die vielseitigen und kenntnisreichen Leistungen Karl Lamprechts. Er wendete sich nicht gegen die Grundansichten, sondern gegen die Verfahrensweise.
Diese Ruhe vor dem Feind nutzte Lamprecht, um mit seiner Familie nach Rathen in die Sächsische Schweiz zu reisen. Kaum zurück, veranstaltete er das "Musikkränzchens". Es wurde alte Musik um 1500 gespielt, Madrigal und Monnodie um 1600 sowie Sonaten aus dem 17. Jahrhundert. Lamprecht behielt diesen Brauch lange bei. Zu Beginn einer jeden Veranstaltung gab es erläuternde Vorträge. Er ließ sogar das Programm drucken. Mit diesen Veranstaltungen machte er vielen Menschen eine Freude, die diese interessiert annahmen.
Schon bald forderte sein Gesundheitszustand den Preis der Ruhe. K.L. begab sich zur Genesung nach Saleno und verband damit gleich eine kurze Studienreise nach Capri.
Der V. Band der "Deutsche Geschichte" wies eine sehr schlechte Quellenarbeit auf. Man fand nicht wirklich gute Gegenargumente und so wird die "verquere " Wortbildung kritisiert, der Stil und die Schreibweise. Die Besprechung trägt den Stempel des alten Stils. Lamprecht´s schlechte Quellenarbeit wird zum Auslöser des Methodenstreites.
Am 01. Mai 1896 suchte Lamprecht Ranke (großer Geschichtsschreiber) auf, den er sehr verehrte. Ranke sagte ihm, dass deutsche Geschichte nur eine Aneinanderreihung von Daten sei, da die Ideen fehlten. Selbst in einer politischen Geschichte der Deutschen sei kein durchgehender Faden zu ziehen, geschweige denn bei einem solchen Vorhaben, wie es KL schildere. Etwas ernüchtert verließ er Ranke, hielt aber an seinem Plan fest. Gerade dieser Besuch hatte ihn in seinem Vorhaben bestärkt.
Am 23. Mai 1886 starb Ranke.
Den Historikertag 1896 in Innsbruck sagt Karl Lamprecht ab. Wieder schwächte ihn die Krankheit. Notiert ist auch, dass er die Teilnahme wegen seiner Kinder absagte. Schließlich folgte eine Operation an der Zungendrüse. Am 11.-14.6.1896 fand ein Historikertag erstmals ohne Karl Lamprecht statt, was Aufsehen erregte. Seine Nichtteilnahme wurde als Kneifen ausgelegt. Inzwischen erregte die Lage in Deutschland inklusive Lamprecht und Methodenstreit im Ausland Aufsehen. In Belgien, Österreich, Holland und Frankreich zeigte man offen Zustimmung für Karl Lamprecht.
Lamprecht erholte sich nach seiner Operation bei einem Seeurlaub in Heist mit seinen Kindern. Leider waren die acht Tage mit ziemlichem schlechtem Wetter ausgestattet.
Herbst 1896 Wohnungswechsel Karl Lamprecht zog nach Vordergohlis in die Äußere Hallesche Str. 9 II, vermisste dabei seine Frau, für die nach Verschlimmerung ihres Zustandes keinerlei Rückkehr nach Hause bestand. Für Karl Lamprecht war es klar, dass die Trennung endgültig war, denn seine Schwägerin /Schwester von Karl Lamprecht´s Frau, Maria zu Putlitz wurde auch in eine Anstalt eingewiesen. Das gab KL zu denken. Wie ein Alptraum lag die Gewissheit auf ihm, dass er in eine belastete Familie eingeheiratet hatte. Fotos aus dieser Zeit zeigen seinen ernsten Gesichtsausdruck. Er fand nur einen Weg - arbeiten, arbeiten, arbeiten.
In seinen Vorlesungen ging Karl Lamprecht anfangs nicht auf den Methodenstreit ein. Zu schwer waren die persönlichen Anfeindungen und zu offensichtlich, das seine Gegner nur darauf warteten. Jedoch die Wissenschaftler setzen sich detaliert mit seinen Themen auseinander. Die einen sachlich, die anderen unter Niveau. Als er am 16.3.1896 in der Neuen Halle des Kristallpalastes am Gedenktag für Bismarck die Rede halten durfte, war das erneut Grund für Neid und Verdruss. Eigentlich hätte E.Marcks diese halten müssen, da er der kompetente Fachvertreter war.
1897 trat eine Phase der Auseinandersetzungen ein, die nicht zum Ruhme deutscher Gelehrter gedieh. Der Streit nahm beschämende Formen an. Keiner der Beteiligten war von der Schuld frei zusprechen, auch Karl Lamprecht nicht. Die Lage beruhigte sich, was sich positiv auf KL auswirkte. Zeitschriften für Geschichtswissenschaften befinden, er habe gesiegt. Doch dann weist Oncken nach, das Karl Lamprecht "abgeschrieben" hatte. Seine schlechte Quellenarbeit in Band V der Deutschen Geschichte wurde zu einem Fehler, der wie ein Makel bis heute auf ihm ruht. Er verwahrte sich gegen diesen Vorwurf der wissenschaftlichen Unehrlichkeit. Oncken wies zwar schlechte Quellennachweise durch Karl Lamprecht nach, war aber hämisch und giftig, was seiner Karriere schadete. Die Affäre mit Oncken bleibt eines der betrüblichsten Kapitel der wissenschaftlichen Kritik, was KL zu unüberlegten Äußerungen hinriss, da er sich in seiner Ehre angegriffen fühlte. Er begab sich (leider) auf das niedrige Niveau seiner Gegner herab.
Diese Streitigkeiten raubten ihm viel Zeit und Gesundheit. Oncken seinerseits sucht noch intensiver nach Fehler, fand leider erschreckend viele. Der Streit weitet sich aus. Beteiligte Wissenschaftler gingen so weit, dass ein Prozess zu Stande kommen sollte (zwischen zwei anderen Wissenschaftlern - Harden und Delbrück). KL war nicht daran beteiligt, aber seine Geschichtsauffassung war der Anlass. Das Gezänk kostete Karl Lamprecht viele Nerven, aber nicht so, das es seinen Arbeitseifer einschränkte
Kurzum begab er sich mit seinen Kindern nach Herrenalb. Hier traf er sich mit Familie Mühl (die Eltern seiner Frau), die ihre Enkelkinder sehen wollten. Die Situation war äußerst kritisch.
1898 zieht er in die Schillerstr. 7 und das wurde bis zu seinem Tod sein "definitives Nest". Die Wohnung ließ er sehr geschmackvoll, aber auch sehr liebevoll herrichten. Es war ein Zeichen für Karl Lamprecht`s Nestgebundenheit. Nur selten ging er aus. Nur zum "Kränzchen" und zum "Französischen Tee", wozu ihn Emma Bruch überredete.
Seit 1898 veröffentlichte Karl Lamprecht Beiträge in "Zeitschrift für Kulturgeschichte", nicht mehr in der „Deutschen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften“. Es war seine persönliche Entscheidung, die mit dem Geschichtsstreit und dem persönlichen Empfindungen Einzelner zu tun hatte. Zum Historikertag am 12. bis 14.4.1898 hielt er einen Vortrag im Rathaus Nürnberg, welcher großes Echo hervorrief. Lamprecht: "Die historischen Interessen drehen sich rapide in die von mir eingeschlagene Richtung." Auch sein Besuch in Berlin - "in die Höhle des Löwen" verlief wider Erwarten erfolgreich. Er erhielt dort großem Beifall für Vorlesungen. Das ist das Paradoxe: obwohl er so erbittert kritisiert wurde, begeisterten sich die Menschen für seine Arbeiten. Im Osten Europas war Karl Lamprecht keine unbekannte Persönlichkeit, beispielsweise in Russland und Rumänien. Selbst in Italien horchte man auf. In Deutschland wurden seine wissenschaftlichen Gedanken vor allem von Geschichtslehrern begrüßt und durch sie wurden Veröffentlichungen betrieben.
10. Mai 1898 schreibt er an seinen Bruder Hugo: "Ich bummele diesen Sommer mal, um die Nerven in Brache zu legen." Er hatte es aber nicht getan, weil er es einfach nicht konnte. Im Juni 1898 hielt er einen Vortrag in Lunzenau beim Sächsischen Landesverband. Der Verlag Ernst Hoffmann bat ihn um eine Bismark - Biografie. Lamprecht ist unschlüssig, da er am VI. Teil der "Deutsche Geschichte" arbeitete, sagte aber dann für den 1.2.1899 zu. 1901 sagte er jedoch das Vorhaben ab.
1898 erscheint Teil VI. in einer ersten Teilveröffentlichung.
Pfingsten 1899 legte er eine Erholungspause ein. Er fuhr nach Eisenach, "damit die Kinder in ihrem Heldenzeitalter die Wartburg sehen". Kurze Zeit später muss er zu einer Kur nach Kissingen, "mein Magen ist so gut, wie seit Olims Zeiten nicht!"
Sein Gegner v. Below schrieb das Werk "Die neue historische Methode", um den Streit neu aufzunehmen. Es missfiel ihm, dass Nicht-Wissenschaftler "lauter wurden" und namhafte Ausländer sich mit Karl Lamprecht solidarisch erklärten. Below sagte: Er fühle sich berufen, "die Axt zu gebrauchen!" Das war eine selbstherrliche Kritik, ohne sachlichen Diskussionswert. Im Gegenzug schrieb Lamprecht "Die historische Methode des Herrn von Below". Eine sachliche Kritik, ohne auf die Angriffe einzugehen. 1899 mieden viele Geschichtsstudierende seine Lesungen, weil sie fürchteten, in den Streit mit einbezogen zu werden. Trotzdem war er unter den jungen Menschen sehr beliebt. Zur Reichsgründungsfeier wurde er aufgefordert die Rede zu halten. Mit ihr erregte er großes Aufsehen, weil sie Zeitprobleme anstieß. Lamprecht betonte: „ … dass die Aufgabe des Historikers nicht sein könnte, in den bloßen Jubel des Tages einzustimmen, auch wenn er noch so berechtigt sein sollte oder vom Standpunkte dieses Tages aus die nächstliegenden aktuellen Vorgänge der Politik zu beleuchten. Der Historiker ist kein Politiker, wie man oft gesagt hat, gerade sie neueren Vorgänge haben deutlich gezeigt, dass er seinem Beruf untreu wird, wenn er gegenüber jeder Maßregel der Tagespolitik Stellung zu nehmen sucht. Der Historiker kann vielmehr das Leben der Gegenwart nur in dem Sinne zu fördern suchen, dass er es allein in seinen allergröbsten Zügen begleitet, in jenen Zügen, die einen deutlichen, sich unwidersprechlich klaren Zusammenhang mit einer weiten Vergangenheit aufweisen. In dieser Hinsicht aber ist es für ihn auch Pflicht zu reden; gleichsam soll er der Archivar der Nation sein, der in Lebensfragen der nationalen Gesellschaft, der er angehört, die Akten herbeiholt und aufschlägt und ihren Inhalt reden lässt unbekümmert um den Wogenschaum der Tagesmeinungen, der rechts und links von ihm aufspritzt“
Diese Rede wurde in den Medien prompt veröffentlicht.
1899 reiste Karl Lamprecht mit seinen Kindern nach San Martino di Castrozza . Dort verlebten sie „…in 1.467 Meter Höhe eine schöne gemeinsame Zeit“, die er natürlich zum Arbeiten nutzte.
Der Streit um den V. Band der Deutschen Geschichte verzögerte die Arbeiten an den restlichen Teilen. Fünf Jahre hatte er um sein Werk und um seine Person gekämpft. Zum Jahreswechsel 1900 trat auch für KL. eine Wende im Leben ein: der erbitterte Kampf um die Geschichtsauffassung war beigelegt, wenn auch nicht vergessen. Warum er in den Alldeutschenverband eingetreten war, ist heute nicht nach vollziehbar. Zum Historikertag am 4.-7.4.1900 in Halle hielt er sich zurück. Auf der Rückfahrt besuchte er seinen Bruder Hugo in Meßdorf. Er hatte erfahren, dass die Krankheit seiner Frau schon vor der Verlobung vorhanden war, fühlte sich betrogen und stritt sich mit der Familie seiner Frau. Bei seinem Bruder fand er die Ruhe seiner Familie
Wieder versuchte er sich mit viel Arbeit abzulenken. Am 23.-29. Juli 1900 besuchte er die Weltausstellung in Paris und verbrachte im Seebad Caen in der Normandie einige Tage. Er las sehr, sehr viel, und bereitete sich mit Leib und Seele auf die "Deutsche Geschichte" vor. Eine Krankheit, eine lästige Gesichtsneuralgie, unterbrach allen Arbeitseifer. Der Arzt riet ihm zu einer Reise in den Süden. So begab er sich an die französische Riviera, um die Sache ausheilen zu lassen. Anschließend musste er noch zu einer sogenannten Wasser- und Elektizitätskur in Tharandt. Danach unternimmt er mit seinen Kindern eine ausgiebige Reise. Seine Reisen waren nie persönlich geprägt, er legte sie so, dass er sie als Studienreise für die Erweiterung seines Wissens nutzen konnte. Es ist auch das Jahr, wo er entschied, dass die „Deutsche Geschichte“ zwölf Bände haben sollte, die zusätzlichen Ergänzungsbände nicht mitgezählt.
Er besuchte Operetten, um sich zur Ruhe zu bringen. Er sagte, dass er während des II. Aktes ein ganzes Kapitel des 2. Ergänzungsbandes im Geiste korrigiert hatte.
Als er sich im Herbst 1900 mit seinen Kindern in Eisenach im Hotel Junker Jörg auf Hainstein aufhielt, erhält Nachricht, dass der Zustand seiner Frau sich sehr verschlechtert hatte. Doch auch für sich fühlte er, dass seine Gesundheit nicht die Allerbeste war. In der Sylvesternacht 1901 schreibt seinen letzten Willen auf: "Ich wünsche keine Leichenfeier in Leipzig, sondern nur ein stilles Gebet in meiner Wohnung mit Bibelsprüchen. Meine Ruhestätte soll Schulpforte sein, ich will das im Sommer ausmachen." Er war 45 Jahre alt und ahnte, dass ihm kein langes Leben vergönnt war. Ferner wünschte er, dass seine Briefe von Mevissen, Ritter, Immisch, Wenck, Breysing, Hoeniger, Heinze, und v. Norden zurückgefordert würden es waren diese, in denen er am meisten von seinem Wesen niedergelegt hatte. Diesem Wunsch ist man nach seinem Tode nicht nachgekommen. Für Schulpforta setzte er eine Summe von 20.000 M fest, um alte Pförtner mit Wissenschaftsneigung zu unterstützen. Die Universität Leipzig sollte leer ausgehen.
Schon im folgenden Jahr musste er zur Kur nach Wiesbaden. Er arbeitete emsig weiter und befasste sich mit tiefen Zusammenhängen der deutschen Geschichte auf den verschiedensten Gebieten. Es war erstaunlich, in welche Fachgebiete sich Karl Lamprecht gewagt hatte. (z.B. PANDYNAMISMUS - wurde in Band VI abgedruckt).
1902 begab er sich zur Erholung mit seinen Töchtern über Thüringen nach Stuttgart, Freudenstadt, Titisee, Stein a. Rhein, Konstanz, Meersburg, Überlingen, Reichenau, Singen, Hohentwiel nach St. Gallen. Eigenartige Lektüre begleitete ihn auf dieser „Wanderung“: zur Vorbereitung für den letzten Ergänzungsband seiner deutschen Geschichte vertiefte er sich in die Reden Kaiser Wilhelms.
Zu Pfingsten trafen sie dann in Bad Kösen ein.
Sein Wesen war es, nach harten Kämpfen eine riesige Arbeitsintensität zu entwickeln. Mit den Kindern verbrachte er einige freie Zeit, sofern er das kannte, in der Gehlberger Mühle in Thüringen. Eine weitere Studienreise führt ihn von Venedig bis zum Gardasee. Karl Lamprecht : „Habe auf dieser Reise viel gelernt, ganz neue Gegenstände und Probleme sind mir aufgegangen." In dem Jahr benutze er bewusst und stolz zum ersten Male die Schreibmaschine! Für alle eine Erleichterung. Seine Handschriften wurden als "Spinnenbeine" bespöttelt.
1903 schreibt er an seinen Bruder: „ Und doch gibt es an eins zu denken! Ich habe mir und Thilde mein Plätzchen ausgesucht.“ Lamprecht hatte sich im Alter von 47 Jahren seine Grabstelle für 40 Jahre ausgesucht! Die Abtkapelle in Schulpforta, einst Privatkapelle des Abtes, ließ er dafür aus eigenen Mitteln renovieren.
In Heidelberg fand in dem Jahr der 7. Historikertag statt. Hier traf er auf Below. Zuerst wollte nicht hinreisen, dann jedoch hielt er dort einen Vortrag. Das Auftreten Karl Lamprecht war in aller Hinsicht achtunggebietend. Niemand hatte an seinem Können gezweifelt, auch seine Gegner nicht.
Pfingsten 1903 weilte er in Potsdam mit den Kindern. Er schrieb in einem Brief: „Alles wird gebraucht: Friedrich der Große für meine "Deutsche Geschichte", Hohenzollernbegeisterung für die Kinder, sowie für Tante Bruch, eine Elsässerin, Germanisierung." Sie besuchten den Park Sanssouci, fuhren nach Berlin, wo sie viele Museen besuchten. Zitat: „ Was bedeutet nun die große Persönlichkeit, sei es des Kulturlebens, sei es des Krieges und der Politik in der Geschichte? Große Persönlichkeiten sind nur Führer nach entwicklungsgeschichtlich nahegelegten, eben herannahenden Zielen einer immanenten Entfaltung. Und die Masse, die viel zu vielen? Keiner kann geschichtlich entbehrt werden. Auch ihnen gilt das Gesetz der schöpferischen Synthese. Aus der Tätigkeit aller entsprießen die Notwendigkeiten der Kulturentwicklung, entquillen die großen, entscheidenden Wechsel, denn eben durch sie wird durchaus wesentlich die Wirtschaftsentwicklung mit bestimmt. In der Politik tritt an Stelle des Vorbildes der Befehl, im Kriege Befehl und Gehorsam. Da der große Held in der Politik und im Kriege die große Persönlichkeit sinnfällig macht, hat man dies in der Geschichte am meisten beachtet.“
Im Grunde genommen, ist das die Kernaussage für Lamprechts Lebenswerk. Aber er kennt auch seine Grenzen: „Wer von hohem Bergeswipfel aus eine weite Landschaft in Morgen- und Abendbeleuchtung, bei langem Strahl der Sonne, betrachtet, der genießt der äußeren Schärfe der Umrisse in allen Höhen bei manch braunem Nebel der Tiefe; der Hauch der Grüfte dringt nicht bis zu ihm empor. Wer dieselbe Landschaft am Mittag, unter senkrecht einfallendem Strahl sengender Mittagssonne, sieht dem erscheint jede Einzelheit zu seinen Füssen aufdringlich klar, während die Fernen verschwimmen. Es ist der Unterschied zweier Arten wissenschaftlicher Betrachtung, einer fernsichtigen und einer nahsichtigen: beide haben, wie sich ohne Weiteres ergibt, ihre besondere, sehr voneinander abweichende Auffassungsweise und dementsprechend auch eine verschiedene Art der Akribie. Freilich gibt es noch eine dritte Art der wissenschaftlichen Arbeitsweise. Sie verteidigt Nahes und Fernes in gleichem Augenmaß..." Karl Lamprecht gibt hier den Hinweis auf die Begrenztheit seiner Arbeitskraft.
Als er 1903 von einer Studienreise, natürlich mit den Töchtern, zurückkehrt, ist er in Leipzig im Kollegenkreis nicht wirklich willkommen. Lamprecht spielte mit dem Gedanken, Leipzig zu verlassen. So widmete er sich musikalischen Studien mit Woldemar Sacks, der "Kabarett des Lebens" schrieb. Er hielt viele Vorträge in vielen Orten, besucht die Kruppwerke und Fabriken der Seidenindustrie. So kam es ihm gerade recht, eine Einladung zum Jubiläum der Columbia Universität in New York anzunehmen. Er rackerte wie verrückt, um diese Reise vorzubereiten und seine Arbeit zu Hause zu schaffen. 1903 erschien ein Ergänzungswerk zur "Deutsche Geschichte", dessen Inhalt eine unheimliche Fülle von Details zu einem Ganzen verarbeitete. Das bot Wissenschaftler und Laien eine gute Einsicht. Man konnte Positionen finden, die bisher nur zusammenhanglos als Punkte gewertet waren. Fachhistoriker schwiegen betroffen. Eigentlich erwartete man den VI. Band der "Deutsche Geschichte". Man stand voller Verwunderung und Stauen vor diesem Werk und fragte sich, wie ein Einzelner das Werk zustande gebracht habe!
1904 März reiste er mit Marianne und Fr. Bruch nach Paris, um seine Tochter in einer Pension unter zu bringen. Sie besuchten in Paris viele Theater und Museen. Erst Pfingsten war die Familie wieder zusammen. In Weimar wollte er seinen Kindern die historischen Stätten zeigen.
1904 reiste er in die USA mit den Worten : "Ich freue mich, das Land der Widersprüche kennen zu lernen". Am 26.7.1904 ging er an Bord der Kaiser Wilhelm II. mit Badekerreiseführer "USA 1904", las auf der Überfahrt englische Dichter und kleine wissenschaftliche Essays. Am 31. 10 1904 wurde er als Doktor der Jurisprudenz promoviert. Das war eine seltene Ehre und mit stolz hat er sein LL.D geführt und nahm an der Jubiläumsfeier der Columbia Universität teil. Zur Weltausstellung St. Louis hielt Karl Lamprecht einen Vortrag. Ein Angebot von 50.000 Dollar jährlich, wenn er in Amerika bliebe, lehnte er mit Entschiedenheit ab. Karl Lamprecht wollte das Land als Globetrotter auf sich wirken lassen, dann erst als Wissenschaftler. (siehe „Americana“) Am 28.4.1906 wurden Ausschnitte daraus veröffentlicht. Es kam zu Beschwerden und er wurde gedrängt, den ganzen Inhalt zu veröffentlichen. Eigentlich sollte nur ein Reisetagebuch sein, nur Andeutungen. Später wollte er sich tiefer mit der amerikanischen Geschichte befassen. Am 8.11.1904 brachte ihn ein Schiff zurück nach Europa.
In der Zwischenzeit hatten auch andere Wissenschaftler harte Kämpfe an der Universität Leipzig z.B. Oswald. Als die Geisteswissenschaftler, die sich auch gegen Karl Lamprecht gestellt hatten, es doch zu arg trieben, kündigte Oswald und schied aus dem Lehramt aus.
Ende des Jahres 1904 reichte Volkelt eine Dissertation mit dem Titel „Untersuchungen über das Zeichnen der Kinder bis zum 14. Lebensjahr mit kulturellen und ethnologischen Parallelen" ein. Karl Lamprecht hatte brennendes Interesse daran und plante eine große Sammlung von Kinderzeichnungen. Der Aufruf wurde weltweit abgedruckt. Wo die Zeichnungen heute sind, weiß ich nicht.
Ende 1904 zog Lamprecht die Konsequenzen aus den vergangen Kämpfen und steuerte eine Verselbstständigung seiner institutionellen Einrichtungen an. Für die Forschungen in der Kinderpsychologie und Völkerkunde benötigt er eine Räumlichkeit, die ihm versagt wurde. Karl Lamprecht war empört über die Art der Behandlung der Angelegenheit und drohte, seine Pensionierung in Erwägung zu ziehen, wenn man ihn in seine Arbeiten behindere. Eigentlich war das eine Lappalie. Doch die Oswald-Affäre war noch frisch. Die Regierung konnte sich den Verlust von zwei Kapazitäten nicht leisten. Noch ein Schreiben und KL bekam die Räumlichkeiten.
Am 13.2.1905 hielt Lamprecht einen Vortrag über deutsche und japanische Kunst in der Deutschen Gesellschaft. Zum ersten Mal trat er mit Äußerungen unversalgeschichtler Art hervor. Am 18.2.1805 steht im Hamburger Corrospondent: „Man muss es nur gesehen haben, das süffisante, selbstgefällige Lächeln, womit man die Bestrebungen Karl Lamprecht begrüßte." Bei dieser Sachlage erfuhr Karl Lamprecht von Machenschaften (anonyme Gutachten), gegen die er energisch einschritt. Man wollte keine historisch-japanischen Übungen und lehnte den Begriff Universalgeschichte ab.
Das Pfingstfest 1905 verbrachte Karl Lamprecht mit seinen Kindern diesmal auf der Insel Rügen. Danach begibt er sich wieder auf eine Studienreise, diesmal in das Rhein land. Später reiste er mit Tochter Marianne in den Süden nach Florenz, wo sie in der Pension Marianne übernachten. Im selben Sommer nimmt er in "Papsttum und Deutsches Reich" Stellung zum damaligen Papststreit. Auch ein neuer Streit machte sich breit. Lamprecht konnte machen, was er wollte, immer stand die geschlossene Front gegen ihn. Aber der tiefe Grund liegt in der Starrheit der Formalitäten der Universität Leipzig. Diese Missstände drangen nicht nach außen und waren weitgehend unbekannt. Die Studentenschaft stand hinter Lamprecht. Auch, weil er sie aktiv aufforderte, sich mit außergeschichtlichen und außerpolitischen Fragen zu beschäftigen.
Im Jahre 1906 folgte die Gründung des Seminars für Landesgeschichte und Siedlungskunde, dessen Leitung Rudolf Kötzschke übernahm. Lamprecht freute sich außerordentlich über die eintretenden Erfolge.
1906 Basel fuhr er mit Elisabeth nach Mailand. Sie trafen sich dort mit Marianne, die aus Florenz kam. Der Rückweg führte sie über Jessen und Wittenberg. Das ist der einzige Hinweis, der annehmen lässt, das Karl Lamprecht 1906 das letzte Mal in Jessen war. Kurze Zeit später unternimmt er eine Studienreise nach Paris, wo seine Tochter Marianne eifrig die japanisch-chinesische Kunst studierte. Sehr viel Zeit verbrachte er in Fontainebleau, hielt in Brüssel einen Vortrag vor politischem Publikum und arbeitete intensiv an der Deutschen Geschichte.
Im Jahre 1907 sollte der „Goldener Bär“ zum Haus für "Kultur - und Universalgeschichte" werden. Es war in einem erschreckendem Zustand. Für die Ausstattung sammelte Lamprecht im Rheinland (!!!) 6.000 Mark. Gönner spendeten weitere 30.000 Mark. Er kaufte Bücher für die Bibliothek und legte fest, dass alle seinen Bemühungen später ein Vorzug für seine Kinder sein sollte.
Eine Reise vom 9.3.-26.4.1908 mit den Töchtern in den Süden, wobei Süden in der Quelle nicht immer lokal definiert ist, verband er mit Vorträgen in Wien.
1909 wurde das Königlich - sächsischen Institut für Kultur und Universalgeschichte gegründet, das erste geisteswissenschaftliche Institut, das nicht einer Universität, sondern direkt dem Ministerium unterstand. Weitere zehn Institutsgründungen waren geplant. Es war das größte geistes-wissenschaftliche Institut derzeit in Deutschland mit ca. 64.000 Büchern und bedeutsamen Sammlungen. In der Bombennacht vom 4.-5. Dezember 1943 in Leipzig wurde fast alles zerstört. Vorlesungsmanuskripte, eine vollständige Sammlung von Lamprecht´s Schriften, viele amtliche Briefe, Akten des Forschungsinstituts und der der größte Teil der Bibliothek wurden für immer vernichtet.
Im Januar 1912 wurde Karl Lamprecht für den Nobelpreis vorgeschlagen. In Deutschland hatte kaum jemand etwas davon gewusst. 1913 trat Lamprecht energisch für eine Vermittlungsstelle zur auswärtigen Kulturpolitik ein.
Als der Krieg 1914 ausbrach, konnte jeder in seiner Umgebung seine Fassungslosigkeit bemerken. Unvergesslich blieb ihm der Abschied von seinen Studenten, die in den Krieg ziehen mussten. Nicht sehr viele Worte konnte er herausbringen, die Erregung erstickte seine Stimme. Jedem Einzelnen gab er die Hand. Jeder war zutiefst ergriffen von einem Manne, der den Krieg im Grunde verschmähte, weil er Vernichtung der Kultur, der sein Leben galt, bedeutete. Diese schweren Tage nahmen ihm das Herz. Er war seitdem an Leib und Seele getroffen. Es war rührend, wie er mit allen verbunden blieb. Jede Feldpostnachricht wurde sorgsam beantwortet. Seine Töchter halfen ihm beim Packen von kleinen Gaben für die Front, wo Lamprecht keinen Gedanken an finanzielle Kosten hegte.
Er glaubte, dass er mit Wort und Schrift die Nation stützen und stärken könnte. Am 23. August 1914 sprach er in der überfüllten Alberthalle in Leipzig „Zur Lage der Nation“. Später folge der „Deutsche Aufstieg 1750 1914“. Diese Reaktion von Karl Lamprecht wird weitgehend überbewertet, weil aus heutigem Erkenntnisstand die weitere kriegerische Entwicklung Deutschlands als Völkervernichtendes Monstrum nicht zu erkennen war. Es müssen seelische und körperliche Erschütterungen ganz erheblicher Art gewesen sein, so dass er sich entschloss mit ärztlichem Attest Urlaub zu erwirken. Niemand wusste um seinen gesundheitlichen Zustand, so wunderte man sich sehr, dass er so darauf bestand.
Im März besuchte er den Kriegsschauplatz in Belgien. Sein belgischer Freund Henri Pirenne, mit dem er über 30 Jahre befreundet war, wies ihm die Tür. Er hatte seinen Sohn in diesem Krieg verloren. Seitdem hegte er unversöhnlichen Hass gegen alle Deutschen. Das traf Lamprecht hart und er versuchte seine belgischen Historikerkollegen davon zu überzeugen, dass Deutschland nicht auf eine Annexion
Belgiens sinne. Vergeblich!
Erschüttert durch diese Erlebnisse erlitt Lamprecht am 5. April 1915 einen Schwächeanfall. Nur mühsam absolvierte er noch einen letzen Empfang und verließ am nächsten Tag Belgien.
Die Ärzte erkannten seinen tragischen Zustand. Sie mussten ihn förmlich aufs Lager zwingen. Lamprecht wusste, wie es um ihn stand. Am 17. April 1915 schrieb er nach Pforta, um die Angelegenheit mit seiner Ruhestätte völlig in Ordnung zu bringen. Wer ihn in diesen Tagen sah, bemerkte, wie jeder Blutstropfen aus seinem Antlitz verschwand und wie er schwächer und schwächer wurde. Die Ärzte bestanden auf die Einlieferung in ein Krankenhaus. Vom Krankenbett aus schreibt er dem Kanzler Bethmann-Holweg, gibt seiner Sorge um Deutschland mit fast flehenden Worten Ausdruck. Die letzten Briefe schrieb er an seine Töchter…
In der letzten Stunde des 10. Mai 1915 ist Lamprecht nach langer Bewusstlosigkeit an Entkräftung eingeschlafen. Allen kam der Tod überraschend.
Die Trauerfeierlichkeiten in Leipzig waren vielfältig und zogen sich von 16. bis 20. Mai 1915 hin. Die Äußerungen in den Medien waren beachtlich und in ihrer Zahl weltweit gewaltig. Wie immer, im Angesicht des Todes begreift man erst, was man verloren hat.
Diese (kurze) Zusammenstellung von den privaten Ereignissen um den Historiker Lamprecht ist eine Ausarbeitung/ Zitierung aus den unveröffentlichten Bänden „Karl Lamprecht“ von Prof. Herbert Schönebaum.
Zum Schluss noch ein letzter Ruf eines Historikers, der seiner Zeit weit voraus war:
„Ein Ruf an die Jugendlichen! Nicht bloß die Helden, nein, auch Ihr, Ihr alle und jeder von Euch im Besonderen, seid dazu bestimmt, einmal öffentliche Personen zu sein, gehört auch mit dem still bescheidensten Wirken wie von heute so vor allem Eurer späteren Tage der Geschichte an. Eure Verantwortlichkeit ist nicht nur eine private, sondern eine geschichtlich-öffentliche, und vor Gott und Menschen werden spätere Geschlechter Euch preisen und verfluchen, je nach dem geschichtlichen Verlauf der Euch geschenkten Gegenwart!" 1897
Ines Mann
Jessen, 25. Februar 2011
KL`s Bildungsgrad war zur damaligen Zeit denen seiner gleichaltrigen weit überlegen. Wenn er nicht in ein Buch oder in eine Zeitung vertieft war, suchte er in der näheren Umgebung von Jessen nach Forschungsobjekten und wertete sie aus. Mit 14 Jahren, tieferschüttert über den Krieg 1870, schreibt er glücklich an seinen älteren Bruder Hugo „ Der Friede ist da!“ Zwanzig Jahre später wird für die Gefallenen auf dem Marktplatz das Denkmal errichtet.
1871 zur Konfirmation trifft er auf einen Spruch, der ihn sein Leben lang begleitete:
Was wahrhaftig ist, was ehrbar ist, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet,
ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob,
dem denket nach.
K.L. litt seit jüngster Kindheit an Magenbeschwerden. Mit 14 Jahren muss er sich zur Badekur nach Bad Kösen begeben. Sein Gesundheitszustand war schlecht. Er, der er die sportliche Betätigung scheute, musste sich nun viel bewegen, was er auch willig tat. Dessen nicht genug, auch sein Augenlicht verlangte nach einer Brille., was ihm so überhaupt nicht gefiel. Mit 15 besuchte er Verwandte in der der Lausitz (Calau, Cottbus, Spremberg) und erlebte Niederlausitzer Bundessängerfest. Prompt erstellte er Studien über die Bevölkerung. Seine gute Beobachtungsgabe behielt er bis zum Lebensende.
Am 27.9.1873 erlebte er seine erste Oper, "Don Juan", in Leipzig. Er lebte bereits im Internat in Schulpforta. Am 12.09.1874 erhielt er sein Abiturientenzeugnis mit einer glänzenden Beurteilung: "Es ist bezeugt, dass KL eine große Intensität in der Vorbereitung und große Umsicht in geschichtlichen Kenntnissen zeigt" - seine Arbeit wurde als "gründliches Quellenstudium" bewertet (Inhalt: "De Peridis oratione funebri secunda" über Leichenrede des Perikles) Mit breit angelegten gewissenhaften Vorarbeiten und Konzepten, mit Genauigkeit bei der Übersetzung ins Lateinische, mit graphischen Darstellungen und chronologische Tabelle mit genauen Belegstellen überzeugte er die Lehrerschaft.
In Latein, Griechisch, Mathematik, Geschichte, Geografie erhielt er die Note vorzüglich; in Religion, Deutsch, Französisch, Hebräisch, Naturwissenschaften erhielt er die Note gut. Nur in Turnen reichte es nur für befriedigend.
Er studierte in Göttingen, besuchte Vorlesungen in Theologie, Logik, Psychologie, Geschichte der Philosophie, und Römische Rechtsgeschichte. Zum Lernstoff der Psychologie schreibt er: " Lese nun schon ein Quartal mit Andacht psychologische Werke, habs aber immer noch nicht ergründet".
1874 unternahm er den Versuch einer Burschenschaft beizutreten, lehnte aber die rein militärische Grundlage ab und ließ es sein. Zu dieser Zeit führte er mit seinem Bruder Hugo, der Theologe war, intensive Diskussionen über das sein und Nichtsein der Religion. Beide Pfarrerssöhne waren über das Wesen des Christentums in Zweifel geraten.
Mit 19 Jahren nahm an Vorlesungen über mittelhochdeutsche Dichtungen (Walter von der Vogelweide) teil, studierte Geschichte des Städtewesens, Erklären deutscher Rechtsquellen, Geschichte des Papsttums und Volkswirtschaftspolitik. Sein Bruder Hugo will ihm eine Übersicht einer Weltgeschichte beschaffen. Karl Lamprecht schreibt ihm : " ... Keine der vorhandenen Weltgeschichten seien für eine geschlossene Privatlektüre zu empfehlen. Sie sind allenfalls Orientierungshilfen." Das zeigte deutlich, dass er den Anfang für ein planvolles geschichtliches Studium gefunden hatte. 1876 startete er einen neuern Versuch für Vereinsarbeit und trat dem Studenten-Gesangsverein bei, obwohl er nicht singen konnte. Es gab zu jener Zeit Bierabende der Historiker, die er regelmäßig besuchte. Dort erregte er Aufsehen mit seinen geschichtlichen Diskussionen und Ansichten.
Im Sommer 1876 verlebte er seine Semesterferien im geliebten Jessen. Der Vater bemerkte seine Veränderungen und hat ihn sozusagen aus der väterlichen Gewalt entlassen, ohne dass es Vorkommnisse gegeben hat. Für junge Leser sei hier angemerkt, dass man in früherer Zeit lange auf seine Eltern gehört hat.
Am 07.03.1877 ließ er sich exmatrikulieren und zog im April nach Leipzig, Täubchenweg, Ecke Kurze Straße. Dort wohnte er im Dachgeschoß bei Witwe Ehrenberg gegenüber dem Johannisfriedhof. Hier schrieb er sich dann als Student für Geschichte ein, was seiner Zeit ungewöhnlich war. Im selben Jahr gehörte zu den ersten Mitgliedern, die am Aufbau eines historischen Seminars, mitgearbeitet haben (gegründet von Carl von Norden). Eine eigenartige Vorbedeutung für sein Leben für diese akademische Lehrstätte.
Mit 21 Jahren half er als Volontär (Freiwilliger) auf dem Gorrenberg bei Amtsrat Gräfenhain, um die Landwirtschaft in der Praxis zu studieren. Er hält einen Vortrag in Jessen.
Als er sich wieder dem Studium zuwendet, schrieb er eine erste wissenschaftliche Arbeit über Ives von Chartres. Diese war breit angelegt und außerordentlich gewissenhaft. Jedoch zur mündlichen Prüfung am 09.02.1878 fällt das Ergebnis darüber kritischer aus, weil "seine Urteile hin und wieder durch gewisse Unruhe getrübt sind". Es wird berichtet, das K.L. in Leipzig von 8-18.00 Uhr in der Bibliothek der Universität gearbeitet habe. Trotzdem fand er Zeit für kleinere Vergnügen und fuhr oft nach Hause. Mit 22 bemühte er sich um politische Orientierung, ohne anzukommen. An der entstehenden Sozialdemokratie fand er vieles richtig, lehnte aber parteimäßige Bindungen ab. Auffällig war sein Solidaritätsgefühl mit dem Los der Arbeiter.
Als 1878 sein Vater ernstlich krank wurde und ständig Hilfe brauchte, die auch damals bezahlt werden musste, häuften sich Lamprechts finanzielle Probleme. Die Kosten des Studiums bezahlte der Vater. Im Februar 1878 weilte er länger in Jessen, um dem Vater nahe zu sein.
Im Sommersemester reiste er nach München und wohnte in der Schellingstr. 27/ III Wohnung. Er besuchte sämtliche Kunst- und Kulturstätten in der Stadt, vertiefte sich in Sempers Werke, interessierte sich für Kostümkunde des Mittelalters und legte eine Sammlung "Libri picturati" an. Das Semester selbst beschäftigte sich mit Kunstgeschichte und Kunstarchologie des Deutschen Mittelalter.
Im Dezember 1878 starb sein Vater in seinen Armen. Er half seiner Mutter bei den notwendigen Begräbnisvorbereitungen und fuhr nach der Beerdigung wieder nach Leipzig zurück. Dort wohnte er in der Nürnberger Str. 30.
1878 erschien sein erstes Buch : „Erörterung über das Wirtschaftsleben 11.Jahrhundert in Frankreich“. Zur damaligen Zeit war das eine seltene Arbeit, die nicht unbeachtet blieb. Die Aufbereitung des riesigen Materials für die Agrargeschichte war erstaunlich. Zwischen Verfassungs- und Rechtsgeschichte einerseits und der Wirtschaftsgeschichte anderseits wurde eine sichtbare Verbindungslinie gezogen.
Am 1.4.1878 wurde er Probekanditat am Kölner Gymnasium und Hauslehrer bei der wohlhabenden Familie Deichmann in Köln, Trankgasse 7a. Für sie erarbeitete eine Familiengeschichte rückwirkend bis in das Jahr1391 und legte sie Weihnachten 1879 vor. Diese Arbeit ist verschollen.
Im Winter 1879 traf er auf Gustav von Mevissen, seinerzeit ein wichtiger Wirtschaftsboss im Rheinland. Lamprecht nahm das Angebot an, die rheinische Wirtschaftsgeschichte vom 7.-13.Jh. zu dokumentieren. Dafür erhielt er 600 Taler pro Jahr auf zwei Jahre begrenzt, 1 Freibillet für die Rheinbahn für ein Jahr. Natürlich waren sofort Neider da. Einige Historiker der Universität Bonn waren sprachlos, wie sich Mevissen erdreisten konnte diesen jungen Mann so derart vor ihnen zu bevorzugen. K.L und Mevissen sahen nur den Kern der Sache, Ihnen lag nichts daran, jemanden zu brüskieren. Eine Animosität gegen den jungen Karl Lamprecht war spürbar. Karl Lamprecht ging mit dieser unglücklichen Belastung in sein wissenschaftliches Leben. Er wollte ja eine Habilitation an der Universität Bonn. Darin liegt die Tragik in Karl Lamprecht Leben, dass sich Dinge immer so entwickelten, dass sie zwar positiv für ihn waren, er keine Fehler machte, aber der "Neid" der anderen bestimmte Lebensziele zerstörte. Lamprecht kalkulierte, wie er seine Lage am besten gestalten konnte. Ein Zug, den er seit seiner Schulzeit bis ins späte Mannesalter begleitete. Er wollte zurechtkommen und arbeiten "mehr verlange ich nicht, ist doch das Glück mir bisher schon in überreichem Maße günstig gewesen", schreibt er 1879. Das Angebot nach Bremen zu gehen, lehnte er ab. Er legte das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab und begann das Probejahr als Kandidat für das höhere Lehramt. In Bonn lebt er in Wohngemeinschaft mit den Brüdern Zimmer, die Theologen sind, in der Arndstr. 11 in Bonn. Seine Mutter schickte ihm seine Bücher und die des Vaters sowie Haushaltsgegenstände aus Jessen. Darunter war des Vaters Schreibpult und Sessel, ein Wandbild und zwei Bücherregale. Zu guter Letzt legte sie 200 Taler dabei. Auch Deichmanns halfen finanziell. K.L. nahm aber nur das an, was er wirklich notwendig benötigte.
1880 wurde K.L. unerwartet zu einer vierzehntägigen militärischen Übung beim Intf. Regiment 65 einberufen. Danach sollte er zur Wahl als Offizier gestellt werden. Es kam zu Schwierigkeiten, die Lamprecht nicht zu verantworten hatte. Der verantwortliche Oberst der Landwehr wollte sich für einen anderen Kandidaten entscheiden. Es war der jüdische Privatdozent Johannes Franck. In der Universität zeigte man sich empört. Man setzte durch, dass die Wahl auf den in statu habilitandi befindlichen Lamprecht fiel. Am 14. 08. 1880 wurde er Seconde-Lieutenant. Er musste aber vorher versichern, dass er in geordneten und gesicherten Verhältnissen lebte. K.L. verwies auf sein Staatsexamen und auf das Stipendium von Mevissen. Außerdem erwartete er 400 Mark aus einer wissenschaftlichen Arbeit, ein Honorar für die Mitarbeit der Schosserschen Weltgeschichte. Das alles war für den kränklichen Lamprecht zu viel. Am 19.4.1880 zerrte ein starkes Magenleiden an ihm. Nur enge Freunde wussten davon und zu denen meinte er : "Ja, dafür bin ich Lamprechtsch".
Im Juni hielt er endlich seine Habilitationsschrift (über den Chronisten Dietrich Engelhus ) in der Hand Er legte eine hervorragende mündliche Probelesung vor. Er wurde Privatdozent.
Als er in Düsseldorf die Ausstellung kunstgeschichtlicher Altertümer besuchte, verwendete er das dort erlebte für seine Arbeit, was man ihn als "Verwirrung" anrechnete.
Am 9.12.1880 hielt er im Verein der Altertumsfreunde zu Bonn einen Vortrag über Bilderschmuck des Codex Egberti Alle waren sehr erstaunt darüber. Das war ein Aufsehen erregender Vortrag, und wurde in den Bonner Jahrbücher veröffentlicht. Er hatte kulturhistorisches Material gefunden, das seine Studien von der Rolle der Individualität gegen über der Gesamtentwicklung belegte. Er fand die Alternative dazu. Vergessen wir nicht, Lamprecht ist gerade 24 Jahre alt.
Doch all der Erfolg hatte auch Nachteile, die dem jungen Lamprecht wohl nicht sonderlich auffiel. Die Ablehnung bei seinesgleichen war vorprogrammiert. Jemand, dem alles so spielend zufiel, der so intensiv arbeitete und entsprechend gefördert und bevorzugt wurde, hatte nicht zehn Punkte auf der Beliebtheitsscala. Entweder war es K.L. egal oder er nahm es nicht ernst. Er stürzte sich freudig in die Arbeit. So hielt er Vorträge über Dombaufest in Köln und nahm an den Feierlichkeiten teil. Er reiste durch das Rheinland, hielt Vorträge. Sein Buch "Der Dom zu Köln und seine Geschichte" 1881 war schnell vergriffen.
Mevissen öffnet die Türen zu vielen gesellschaftlichen Anlässen. Lamprecht empfand es nicht als Last, sondern nutzte die Veranstaltungen, um Verbindungen zu knüpfen. Beide hofften, die Animosität zu beseitigen.
Im Jahre 1881 beschäftige er sich intensiv mit Ornamentik sowie mit Willebriefe und führte eine rege Korrespondenz mit Verfassungshistorikern, die die se Arbeiten positiv aufnahmen. Für seine Studien zur rheinischen Wirtschaftsgeschichte betrieb er einen riesigen Aufwand an Korrespondenz mit allen bekannten Persönlichkeiten unter den Historikern, Archivare, und Bibliothekaren. Als seine „Quellen zur Geschichte der Abtei Prüm, besonders zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte" lebhaft zugrunde diskutiert, wurden, raubte es ihm kurzfristig den Elan.
Eine erneute sechswöchige Einberufung zur Militärischen Übung beim 2. Rheinischen Regiment 28 als Offizier kam da gerade richtig. Lamprecht empfand das als Zeitverschwendung. Der junge Offizier fiel jedoch durch seine großen Kenntnisse im Kartenlesen und im Gelände auf. Jedoch mit der Führung seines Zuges hatte er wenig Geschick. Als er einmal mit seiner Einheit die beiden anderen Züge seiner Kompanie decken sollte, hatte er das Pech, diese unter Feuer zu nehmen. Korpskommandant von Loe, der der Übung beiwohnte, ließ Lamprecht kommen und fragte nach seinem zivilen Beruf. Kurzerhand sage er zu ihm: „ Schreiben Sie lieber Bücher und bleiben Sie mir aus der Front!“ . Ein Ausspruch, dem Lamprecht innerlich gern zustimmte.
Zu Ostern 1882 besuchte er seine Mutter, die jetzt in Prettin wohnte. Er schwärmt ihr von Bonn und dem Rheinland vor und lud sie ein, sich das einmal näher anzuschauen. Für die 62 jährige stellte er eine Reiseroute zusammen. Als Mutter Lamprecht dort ankam, sah sie ihren Sohn das erste Mal mit Vollbart, lachte darüber, wie andere auch. Karl Lamprecht zeigte ihr Bonn, Godesberg, Köln u.v.m. Etwas bieten konnte er der Mutter schon, denn in der Zeit ein Stipendium von 500 Talern jährlich auf drei Jahre. Er nutzte diese privaten Fahrten trotz allem als „Forschungsreise“, weil er sich verpflichtet fühlte, das ihm zugestandene Geld nützlich auszugeben.
Sein Tatendrang in alle Richtungen wurde im Sommersemester 1882 jäh beendet. Er war überarbeitet und hatte sich zuviel aufgebürdet. Diese Schwäche gibt er zu. G. von Below ist dabei und der urteilt später: Flüchtigkeit, Hast und Eile.
Bei K.L. trafen die Widrigkeiten stets gebündelt auf. Seine geliebte Mutter stirbt 1882. Sie hinterlässt einen Lebenslauf, den Lamprecht als „herrliches Zeugnis von tiefer Innigkeit“ nennt und diesen fein säuberlich abschrieb. Wieder bekämpfte er die Trauer mit Arbeit. Mevissen, inzwischen väterlicher Freund, bietet ihm finanzielle Hilfe an. Lamprecht :" Ich werde sie aber nur im Notfall annehmen". Er klammert sich an seinen Bruder und dessen Frau, die nun die einzigen seiner Familie sind. Von ihnen erhielt Stütze und Hilfe, aber vor allem konnte er seinen Kummer und seine Berufssorgen dort abladen.
1882 wird Bonn von einem schweren Hochwasser getroffen. Im Dezember 1882 hält Karl Lamprecht einen Vortrag über „Das deutsches Städteleben am Schluss des Mittelalter" (floss in "Deutsche Geschichte" Band IV ein) den Erlös des Vortrages spendete er dem für Hilfsfond.
1882 äußert er: "Ich habe eine große wissenschaftliche Arbeit vor, die eigentlich das Meisterstück werden soll: jedenfalls ein Opus sehr mühseliger und ausgedehnter Forschung. Gelingt die Sache und trifft sie den richtigen Moment, so bin ich nicht zweifelhaft, dass der Eindruck auf unserer Forschung ein bleibender sein wird". Noch immer ist er Privatdozent, 26 Jahre alt, veröffentlicht verschiedene erfolgreiche Arbeiten und beginnt mit Band I der Deutschen Geschichte. 1883 erkrankt er schwer, wieder der Magen. In den zwei Monaten versuchte durch Bewegung und Wandern und Reisen das Leiden zu lindern. Er traf sich mit engen Freunden, nur diese wussten von seiner angeschlagenen Gesundheit.
Im Oktober 1883 besucht er Berlin. Beim Besuch der Nationalgalerie bewunderte er das Bild "Luther bei der Bibelübersetzung" von Sprangenberg. Es beeindruckte ihn sehr. Er studierte die Hamiltonsammlung, war im Beuth-Schinkelmuseum, im Hohenzollermuseum in Monbijou, im Kunst Gewerbemuseum und im Schloß. Dabei hatte er immer sein Notizbuch griffbereit.
Als am 25.12.1883 Carl von Norden stirbt, der Mann, der seine ungewöhnliche Begabung schätzte und förderte, trifft ihn dieser Verlust sehr.
Noch immer drückt ihn die Geldnot. Am 1.1.1884 besaß er noch 396 Mark und 45 Pfennige. Er fährt zu seinem Bruder, der von Ballerstedt nach Messdorf gezogen war und dort der Pfarrer des Ortes wurde. Zurück aus dem Schoße der Familie mit frischen Gedanken, traf er sich in Berlin mit Althoff. Dieser gibt ihm den Tipp, sich mit seiner Geschichtsauffassung zurück zu halten. Sein Draufgängertum verlangte Ehrlichkeit, was für die Zukunft wichtig war. Karl Lamprecht wurde vorsichtiger und veröffentlichte völlig unverfängliche Arbeiten z.B. "Zur religiösen Anschauung der Laienwelt in Frankreich während des 11. Jh." in der Zeitschrift "Kirchengeschichte". Über Berlin schreibt er: „In Berlin wurde ich außerordentlich freundlich aufgenommen und habe schöne Gesichter gesammelt, hoffentlich genug, um sie im Winter gegen die sauertöpfischen Bonner austauschen zu können." Hier traf oder sah, die Quelle ist da nicht eindeutig, Bismarck abends 6.00 Uhr am Berliner Bahnhof. Die Begegnung hat ihn sehr beeindruckt.
Ein Wendepunkt in seiner Karriere tritt ein, als Prinz Leopold an seiner Vorlesung teilnehmen möchte. Karl Lamprecht macht es nicht publik : "Vorläufig halte ich natürlich den Mund, sonst kommen mir die Onkels wieder zwischen." Doch es sickerte durch und brachte ihm viel Neid ein. In Bonn hatte er nun keinen wirklichen Halt mehr. Fachkollegen lehnten ihn ab, entweder aus Ansichtsgründen oder persönlich motiviert.
Aber auch Mevissen, sein Förderer, kritisierte ihn in ehrlicher Aufrichtigkeit. Lamprecht brauchte diesen Dämpfer, um seine Höhenflüge nicht zu Bauchklatschern werden zu lassen. 1885 kostete er alle Freuden des Kölner Karnevals aus und lernte viele Leute kennen. Seither hat er solche Zerstreuungen geliebt. Seine Ausgelassenheit und durchbrachten Nächte hatten keinerlei Einfluss auf seine Arbeit. Er konnte ohne Schlaf angestrengt arbeiten.
Am 16.6.1885 auf der Generalversammlung des Historischen Vereins wurde folgende Ansicht der Fachhistoriker über K.L. geäußert: " Karl Lamprecht hat eigene und eigentümliche Betrachtungsweisen geschichtlicher Fakten" Diese gefielen ihnen nicht. K.L. war beruflich zu aktiv und nebenberuflich ebenso, was zu jener Zeit sehr außergewöhnlich war. Das war der eigentliche Stein des Anstoßes, denn andere Fachkollegen waren eher geruhsam abwartend. Nur seinem unbändigem Arbeitseifer und seiner Zähigkeit hat KL die Erreichung seiner Ziele zu verdanken. Seine Leistungen waren einzigartig.
1885 erkrankt er wieder an Magenbeschwerden mit schlimmen Kopfschmerzen, die Folge von Überarbeitung. Er besucht seinen Bruder Hugo. Sie wanderten viel, diskutierten lebhaft über kirchliche Fragen, ohne gleicher Meinung zu sein oder zu streiten. Sein Bruder neckte ihn, dass er sich endlich eine Frau suchen sollte. Lamprecht darauf: "Arbeiten und Süßholzraspeln, das kann ich nicht beieinander."
Er arbeitet weiter an seinen Vorhaben, besucht Archive wie das in Trier, wo ihm die Türen offen standen und er intensiv Material für die "Deutsche Geschichte" sammeln konnte. Nicht unerheblich war dabei der Einfluss von Mevissen.
Karl Lamprecht hatte einen Studenten, A. Marigan , den er täglich von 11 bis 13.00 Uhr für geschichtswissenschaftliche Studien in französischer Sprache unterrichtete. Er hatte ein unwohles Gefühl, sah darin Zeitverlust, nutzte die Situation aber, um die französische Sprache zu vervollkommnen. Marigan begründete später die Zeitung "Le Moyen age" und wurde sehr bekannt. Er veröffentlichte darin die gesamte Literatur des Mittelalters in französisch und natürlich auch Schriften von Lamprecht.
Durch seinen Bekanntheitsgrad wurde Lamprecht ständig zu gesellschaftlichen Veranstaltungen eingeladen. "Ich bin nun mal kein Gesellschaftsmensch, die ganze Geschichte ist mir grässlich langweilig, wenn nicht getanzt wird." So fuhr er lieber wieder zu seinem Bruder ins ruhige Messdorf (1886). Die beiden ergänzten sich in ihrer Arbeit: Hugo der Pfarrer - Karl Lamprecht der Historiker. Sie diskutierten gemeinsam kirchliche "Missstände" und waren dabei oft einer Meinung.
Im August 1886 (30) verschlechterte sich Lamprechts Gesundheitszustand sehr heftig, so dass er gezwungen war, sämtliche Arbeiten für einen Kuraufenthalt in Herrenalb im Schwarzwald aufzugeben. Dort lernte er am 27.8.1886 Mathilde Mühl kennen. Nach einer Woche waren die beiden bereits verlobt. Er liebte diese Frau fest und innig, schrieb sogar Gedichte für sie. Schon vor der Ehe zeigten sich bei Mathilde Krankheitssymptome, die nichts Gutes erahnen ließen. Er trug dieses Leid still. Man wunderte sich zwar bei der Generalversammlung des Historischen Vereins für den Niederrhein in Jülich im Oktober 1886 , dass Karl Lamprecht nicht wie gewohnt das Wort ergriff, aber kein Mensch wusste, wie es in seinem Innern aussah. Zu dieser Zeit arbeitete er an seinen „Rheinischen Skizzen“. Im Sommer 1887 wurden Karl und Mathilde endlich, nach vielen Terminverlegungen, in der Neuen Kirche zu Straßburg getraut. Eine schlichte Hochzeitsfeier rundete das Fest ab. 1888 folgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor. Im selben Jahr kaufte er Rankes Büste. Seltsam, da er nicht mit Rankes Geschichtsauffassung übereinstimmte. Vielleicht war es seine Art, den großen alten Historiker zu achten.
1888 wurde seine erste Tochter Marianne geboren. 1890 folge Elisabeth, die Großmutter von Amata Niedner. Karl Lamprecht begann Gäste in sein Haus einzuladen. Vor allem Freunde wie Franck, Budde, Hansen, Klinger, aber auch Loersch, Nasse, Hüller, Ritter, Dove, Menzel. Es war eine glückliche Zeit.
Nach der Geburt des zweiten Kindes zeigte Lamprechts Frau starke gesundheitliche Veränderungen, so dass er nach langem Hin und Her einwilligte, die Mutter seiner kleinen Töchter in die Binswangersche Anstalt nach Kreuzlingen zu bringen (Nervenheilanstalt). Lamprecht war plötzlich allein erziehender Vater. Er besuchte regelmäßig seine kranke Frau und entwickelte eine außergewöhnliche, sorgsame und liebevolle Beziehung zu seinen Kindern. In diese Zeit fielen seine ersten Arbeiten für die Organisation des Historischen Seminars.
Am 28.5.1888 folgte die Ernennung zum außerordentlichen Professor. Das Ereignis wurde gefeiert. Es gab einen gemeinsamen Mittagstisch. Zu Gast waren: Budde, Hansen, Franck, und Klinger. Davon wurde ein Foto gemacht. Gratulationen kamen auch von Below und Gneisse per Brief sowie von Althoff.
1889 zog die Familie in die Arndtstr 33 in Bonn, von schlicht in schick. Nach einem kurzen Weihnachtsurlaub mit Frau und Kinder in Strassbuorg erwarteten ihn 1889/90 sehr viele Seminare und Vorlesungen. Alfred Doren äußerte: Man merkte es ihm nicht an (die viele Arbeit). Karl Lamprecht war vollausgelastet, kümmerte trotz allem sehr viel um seine Studenten, und unternahm Exkursionen mit ihnen.
An Bernheim schrieb er 1890, das der erste Band der "Deutsche Geschichte" im Winter fertig sein würde. Woher nahm er bloß die Zeit?
Im Januar 1890 wurde er nach Marburg als Ordinarius berufen. Die Sache ging sehr schnell und in aller Stille. Althoff war überzeugt, dass Karl Lamprecht einen größeren Wirkungskreis brauchte. Andere Kollegen zeigten Neidkomplexe. Der Abschied vom Rheinland nahte. Jetzt, wo seine Frau nach Geburt 2. Kindes schwer erkrankt war, rissen ihn diese gesundheitlichen Veränderungen aus seiner kleinen Familienwelt. Die Ärzte waren besorgt. So kam es, das seine Frau in Biswangerische Klinik nach Kreuzlingen, kam. Lamprecht war hilflos, obwohl er von allen Seiten selbstlos Hilfe bekam. Die Haushaltauflösung in Bonn folgte und der Umzug nach Marburg. Beim Abschiedstreffen auf Jahresversammlung der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde am 26.3.1890 liefert Lamprecht offiziell die fertig gestellte Ada-Handschrift. Mit Wehmut ließ man Karl Lamprecht gehen.
Im Hintergrund der Geschehnisse, fern ab der Familie, verfeindete sich K.L. mit der Historischen Zeitung, genauer gesagt mit v.Sybel und Lehmann (mehr Sybel lt. K.L.) Karl Lamprecht durfte seine Kritiken nicht einsehen. Lehmann schrieb ihm, dass das nicht stimmt. Lehmann unterschreibt das Schreiben nicht. Die Farce spitzt sich zu. Lamprecht ist zu offensiv, die anderen gehen in Deckung. Der Streit ist vielen lästig. Sie empfinden ihn als unsinnig. Man spricht von Cliquenschwätzerei und Schreiern, deren Ignoranz noch die Unbescheidenheit übertrifft!
An der Universität in Marburg wurde Karl Lamprecht bestaunt, weil er eine außerordentliche Arbeitsleistung zeigte und vielseitig einsetzbar war. "Wer in Kunstgeschichte und Nationalökonomie vertretungsweise eingesetzt werden konnte, der war kein Durchschnittsmensch!" Diese Vielseitigkeit hatte ihm auf Dauer aber auch Schaden gebracht. Seine volle Konzentration auf sein Lebensziel war eingeschränkt.
In Marburg pflegte er einen wissenschaftlich-geselligen Verkehr. Trotz allem war die Übersiedlung nach Marburg, wegen der Krankheit seiner Frau, sehr schwierig,. Seine Wohnung am Plan 4 in Marburg war recht hübsch und gemütlich, doch der Haushalt und die Kinder forderten Zeit. Sein Bruder besorgte ihm eine Hausdame, wodurch zumindest eine geregelte Ordnung gesichert war.
An der Universität in Marburg hatte Lamprecht viele Hörer. Mehr als seine Kollegen, was einigen peinlich war und wiederum Missgunst erregte. Mitten in diese Zeit platzte erneut eine schlechte Nachricht herein: seine Frau sollte nach Schloß Werneck bei Schweinfurt verlegt werden. Das traf ihn tief, hatte er doch so sehr auf Heilung gehofft.
Er unternahm Archivreisen ins Rheinland, nach Köln, Düsseldorf, Xanten, Cleve, Arnheim, Den Haag, und Brüssel. Anschließend besuchte er seine Frau in Werneck. Er blieb eine Weile und ordnete dort die Unterlagen von seiner Archivreise, bereitete es so vor, dass sie druckfertig war.
Dann trat er eine neue Archivreise an, die ihn nach Würzburg, Bamberg, Bayreuth, Eger, Prag, und Brünn führte. In Brünn hatte er Vortragsverpflichtungen. Die Rückfahrt führte ihn über Glatz, Breslau, Görlitz, Leipzig zurück nach Marburg. Kurz vor der Herausgabe des 1. Bandes der Deutschen Geschichte 1891 erreichte ihn die Nachricht, dass seine Frau umgehend in eine andere Klinik verlegt werden muss. Unsäglich litt Lamprecht in dieser Lage. Er kannte nur ein Mittel: sich durch unablässiges Arbeiten zu betäuben. Wissenschaftler in seiner unmittelbaren Nähe bewunderten seine ungewöhnliche Arbeitskraft und seinen seltenen Scharfblick. Wen wundert es, dass ihm auch Fehler unterliefen.
Im Herbst 1891 erschien sein 1. Band der "Deutsche Geschichte". Er schickte ein Exemplar an seinen Bruder und bat ihn, sofort die Stellen zu melden, die für Nichthistoriker schwer lesbar oder gar unverständlich seien. Das Kultusministerium forderte ein Exemplar für den Kaiser an. Karl Lamprecht war unter Höchstspannung, wie sein Werk angenommen wird.
Er befand sich im Dezember 1891 gerade bei seiner kranken Frau, als er zum ordentlichen Professor für Mittelalterliche und neuere Geschichte nach Leipzig berufen wurde. Am 27. 12.1891 erfolgte die Ernennung. Er musste schweren Herzens seine Frau in der weit entfernten Klinik lassen und stürzte sich wieder verbissen in die Arbeit. Er schreibt in jener Zeit: „Aber die Liebe hofft in Geduld, und sie glaubt an ein Wunder auf dunklen Gebieten, wo Menschenwitz aufhört und Menschenhand nicht einmal tastet. Auch bei uns kann noch einmal Frühling werden, kann alles, alles sich wenden.“
1891wurde in Leipzig und Dresden wurde die Neubesetzung des Lehrstuhls der Universität Leipzig beraten. Man einigte sich auf Karl Lamprecht. Aber einige wollten das nicht, die Rangfolge war nicht eingehalten und gegenüber Karl Lamprecht baute sich eine Mauer des Neides auf. Ein wahrer Hickhack um Besetzung des Postens entfachte. Maurenbrecher schreibt: " Zu einem Universitätslehrer der Geschichte aber ist nur derjenige geeignet, der - selbstverständlich mit vollster Beherrschung des wissenschaftlichen Handwerkszeuges - den Studierenden auch den ethischen und politischen Gehalt der geschichtlichen Ereignisse vorzutragen versteht und gewohnt ist." Er glaubte das Lamprecht dieser Mann wäre. KL hatte die großen Zusammenhänge wirtschaftlicher Zustände mit rechts- und Verfassungsgeschichte gesehen und als Historiker gründlich dargestellt. (Zitat Maurenbrecher im Seperatvotum S 51/I -2). Am 22./23.12.1890 fand die entscheidende Verhandlung über Besetzung von Karl Lamprecht an der Universität Leipzig für Leipziger Lehrstuhl für mittelalterliche und neuere Geschichte statt. Am 24.12.1891 befand sich Lamprecht mit seinen Kindern bei seiner Frau in Werneck. Am 27.12.1891 eilte er nach Leipzig, wo die Ernennung erfolgte.
Im April 1891 zog Lamprecht in die Thomasiusstr. 2. Leipzig hatte sich im Laufe der Jahre zu eine modernen Stadt entwickelt. Es lebte sich gut in dieser Stadt. Sie forderte aber auch ihren Preis. K.L. musste viele Besuche absolvieren. Er zählte 148! Seine Antrittsrede am 25.4.1891 an der Universität in Leipzig hielt er über " Die politisch und geistigen Strömungen des 10. Jh. Und das Kaisertum Ottos III." Diese Rede erregte großes Aufsehen, auch wegen der Lebendigkeit seines Vortrages. Der Text dieser Rede ging teilweise in Band II der Deutschen Geschichte ein. Er entwickelte in Leipzig die Gewohnheit: Stücke der "Deutsche Geschichte" als Probe in Zeitschriften drucken zu lassen. Er bemühte sich auch mit Artikeln in der Historischen Zeitung präsent zu sein. Diese Art der öffentlichen Präsenz war ihm sehr wichtig. In seiner knappen Freizeit suchte er Kollegenkreise auf, machte Ausflüge und Spaziergänge in kleinen Gruppen mit seinen Studenten. Sehr bald kannte jeder den rüstigen Mann, der sich öfter reitend in den Leipziger Parks zeigte. An der Universität hatte seine eingehende, gewissenhafte Art, wie er dies tat und sich mit Stoffen auseinandersetzte, einen großen Achtungsgebietenden Eindruck gemacht.
In den Ferien fuhr nach Alexanderbad im Fichtelgebirge, wo seine Frau hingebracht wurde. Hoffnung auf Besserung wurde ihm nicht gemacht. Die Verpflegung und die Heilmittel musste er bezahlen, weil sie der Kranken verwehrt wurden. Diese schlechte Behandlung lehnte er ab und brachte seine Frau schließlich nach Bad Kösen. Dieser Entschluss zeigte positive Wirkung. Tatsächlich erholte sich Frau Lamprecht gut und das brachte ihm einen freudigen Arbeitsauftrieb. „Ich vermag seit langer Zeit wieder flott zu arbeiten“, schreibt er an einen Freund. Sein zweiter und dritter Band der Deutschen Geschichte waren in Arbeit. Das war eine kurze und schöne Zeit für ihn und auch für seine Kinder in Bad Kösen.
Sein Bruder Hugo Lamprecht plante 1891 einen Familientag in Magdeburg. Er bat Karl, etwas wissenschaftlich Gültiges über die Familie vorzulegen. Dieser hatte das nie in Erwägung gezogen und zeigte auch kein Interesse daran.
1892 wurde Lamprecht die Ehre zu teil, die konventionelle Königslesung zu halten (weil er am 1.7.91 den Vortrag bei König Albert hielt). Das führte zu Verstimmungen im Lehrkörper. Er hielt auch Vorträge im Buchhändler-Börsenverein und trat so in die bürgerlich-kaufmännischen Kreise ein. Der Saal war über voll!!!
1892 kam Emma Bruch, die Tanti, ins Haus und blieb bis 1919. Jegliche Versuche, Lamprecht eine Beziehung mit dem Kindermädchen unterzujubeln, scheiterten. Für die Töchter war die Tanti die engste Vertraute.
1892 reiste Lamprecht für "Deutsche Geschichte" Band IV an die Ostseeküste Er lernte schwedisch und dänisch. Er sah die Städte Lübeck, Kopenhagen, Korsör, Wisby, Stockholm und Kiel. Ostern befand er sich in Dresden und studierte die Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts. Als Maurenbrecher schwer krank wird, muss sich K.L. mit Reformgeschichte befassen. Er las unter anderem Luthers Schriften und schreibt: "Der Mann hat furchtbar viel geschrieben. Und gerade die Parerga, die Briefe, die kurzen Notizen bieten das Schönste... Ich verschmiere das Exemplar mit Ahas und Ohos!" Die Tischreden waren für KL eine Fundgrube für die Erkenntnis von Luthers Persönlichkeit.
Im Jahre 1892 erhält er eine Sondergratifikation von der Albrechtsstiftung für besondere Mehrarbeit!
Am 21. Januar 1893 erlebte Lamprecht einen seiner schwersten Schicksalsschläge.
Nachdem man glücklich im Kreise der Familie das Weihnachtsfest verlebt hatte, veränderte sich der Gesundheitszustand seiner Frau so katastrophal, dass sie sofort in ein Privatsanatorium nach Leipzig-Thonberg überführt wurde. Lamprecht: „ Es ist furchtbar, ich halte die neuen Schläge nicht mehr so aus wie die früheren… Was hilft demgegenüber jeder Erfolg, der mir so reich in den Schoß fällt?“ Es war gut, das Emma Bruch zugegen war, dauernd im Hause blieb. So waren die häuslichen Verhältnisse stabil. So traurig er war, das seine „Thilde“ in Thonberg blieb, so befriedigt und ruhig war er, dass seine beiden Töchter im Alter von fünf und drei Jahren von nun an in Emma Bruch eine treusorgende Pflegemutter hatten. Er selbst erstickte wie immer in rastloser Arbeit
seinen Kummer. Sein Einsatz für sein Lebenswerk steigerte sich.
Schon bald muss er selbst zur Erholung und begibt sich nach Verona in Oberitalien.
Das Jahr 1893 bringt nicht nur die Auszeichnung mit dem roten Adlerorden, der ihm sehr wichtig war. (Warum, ist nicht überliefert.) Ärger innerhalb der Universität um Postenbesetzungen beschwörten böse Spielchen herauf. Die Gründung der Historischen Kommission war sehr schwierig und zog sich lange hin. Es ging um Geld und blankem Bürokratismus. Seine Arbeiten zur Deutschen Geschichte wurden dadurch stark beeinträchtigt und die Sorge um seine Frau tat das Seinige dazu. Schließlich entschied sich Karl Lamprecht für Urlaub mit Familie in Meßdorf , um zu arbeiten. Dafür gab die Pläne einer größeren Reise auf. Mit Bruder Hugo diskutierte er vor allem Probleme der Reformationsgeschichte. Er erledigte gründlich Referate für Dissertationen und hatte "auf glänzende Weise das Neue kurz und prägnant herausgeholt". Wanderungen in den Harz unternahm er bewusst für seine Erholung. Ausgeruht und erholt stellte er sich mit einer hervorragenden Arbeitsqualität seinen Aufgaben, wie Hörer seiner Lesungen berichteten. Doch die Machtkämpfe an der Universität schwelgten weiter. Lamprecht waren die Streitigkeiten unangenehm und er war traurig darüber. Ihm wurde erstmals richtig klar, dass bei genügendem Einfluss, die ganze Fakultät so zu beeinflussen ist, dass selbst sachliche Gründe beiseite geschoben werden konnten. Es wurde ihm bewusst, dass persönliche Gruppen und Cliquen oft den Ausschlag geben konnten.
1894 traf er die Vorbereitungen für den Historiker Tag in Leipzig, wo er viele prominente Kollegen zu Vorträgen verpflichteten konnte. Er schloss (das war einmalig) alle mit ein, nicht nur Fachkollegen. Auch Kirchen-, Rechts- und Kunsthistoriker sowie historisch interessierte Nationalökonomen und Schulmänner. Auch den Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung bezog er mit ein. Das war klug, zeugte von seinem Weitblick, allen Zugang zur Geschichte zu geben .Man hatte mit 200 Teilnehmern gerechnet, 377 kamen. Das Ganze fand in der Zeit vom 29.März bis 1. April 1894 statt. Die Festschriften wurden knapp, einige waren darüber sauer. Eine Kritik im Berliner Tagesblatt am 6.4.94 äußerte sich darüber sowie die Frankfurter Zeitung am 3. + 10. Mai 1894. Es war die Bismarck Gegenerschaft.
Der Historikertag war rundum sehr gelungen. Er verband verschiedene Menschen, die sonst nicht miteinander redeten. Karl Lamprecht sprach nicht zum Historikertag. Der kultur- und landespolitische Inhalt der Tagung wurden gelobt. Es gab Lob vom Ministerium Dresden. Ab jetzt trugen künftige Historikertage Leipzig als Vorbild! Später lehnt es Lamprecht ab, auf künftigen Historikertagen, politische Dinge zu behandeln, da dies kein Forum dafür sei.
1894 wurde der "Historischen Abend" gegründet. Lamprecht wollte diejenigen, die weiterhin Verbindung mit zünftigen Historikern der Universität halten wollten, z.B. Schulmänner und historisch interessierte Kollegen, diese Möglichkeit einräumen. Man traf sich 2x Mal im Monat.
Neujahr 1895 erhielt Lamprecht eine Einladung nach Friedrichsruh zu einen Besuch bei Bismarck.
Unermüdlich schob Lamprecht neue Ideen an. So entwickelte er den "Leipziger Plan", einen Studienplan für Geschichtsstudium und ruft die "Konferenz des landesgeschichtlichen Publikationsinstitutes" ein, deren Leiter er war. Als 1895 der Verband Deutscher Historiker gegründet wurde, war es seine Aufgabe, Konferenzen zu organisieren. Die Rezension von G.v.Below (Prof. in Münster) über die ersten drei Bände der deutschen Geschichte fällt gemäßigt aus. Es wurde noch nie so ausführlich eine "Deutsche Geschichte" unter so intensiver Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Dinge geschrieben. Von Below bewunderte eigentlich die vielseitigen und kenntnisreichen Leistungen Karl Lamprechts. Er wendete sich nicht gegen die Grundansichten, sondern gegen die Verfahrensweise.
Diese Ruhe vor dem Feind nutzte Lamprecht, um mit seiner Familie nach Rathen in die Sächsische Schweiz zu reisen. Kaum zurück, veranstaltete er das "Musikkränzchens". Es wurde alte Musik um 1500 gespielt, Madrigal und Monnodie um 1600 sowie Sonaten aus dem 17. Jahrhundert. Lamprecht behielt diesen Brauch lange bei. Zu Beginn einer jeden Veranstaltung gab es erläuternde Vorträge. Er ließ sogar das Programm drucken. Mit diesen Veranstaltungen machte er vielen Menschen eine Freude, die diese interessiert annahmen.
Schon bald forderte sein Gesundheitszustand den Preis der Ruhe. K.L. begab sich zur Genesung nach Saleno und verband damit gleich eine kurze Studienreise nach Capri.
Der V. Band der "Deutsche Geschichte" wies eine sehr schlechte Quellenarbeit auf. Man fand nicht wirklich gute Gegenargumente und so wird die "verquere " Wortbildung kritisiert, der Stil und die Schreibweise. Die Besprechung trägt den Stempel des alten Stils. Lamprecht´s schlechte Quellenarbeit wird zum Auslöser des Methodenstreites.
Am 01. Mai 1896 suchte Lamprecht Ranke (großer Geschichtsschreiber) auf, den er sehr verehrte. Ranke sagte ihm, dass deutsche Geschichte nur eine Aneinanderreihung von Daten sei, da die Ideen fehlten. Selbst in einer politischen Geschichte der Deutschen sei kein durchgehender Faden zu ziehen, geschweige denn bei einem solchen Vorhaben, wie es KL schildere. Etwas ernüchtert verließ er Ranke, hielt aber an seinem Plan fest. Gerade dieser Besuch hatte ihn in seinem Vorhaben bestärkt.
Am 23. Mai 1886 starb Ranke.
Den Historikertag 1896 in Innsbruck sagt Karl Lamprecht ab. Wieder schwächte ihn die Krankheit. Notiert ist auch, dass er die Teilnahme wegen seiner Kinder absagte. Schließlich folgte eine Operation an der Zungendrüse. Am 11.-14.6.1896 fand ein Historikertag erstmals ohne Karl Lamprecht statt, was Aufsehen erregte. Seine Nichtteilnahme wurde als Kneifen ausgelegt. Inzwischen erregte die Lage in Deutschland inklusive Lamprecht und Methodenstreit im Ausland Aufsehen. In Belgien, Österreich, Holland und Frankreich zeigte man offen Zustimmung für Karl Lamprecht.
Lamprecht erholte sich nach seiner Operation bei einem Seeurlaub in Heist mit seinen Kindern. Leider waren die acht Tage mit ziemlichem schlechtem Wetter ausgestattet.
Herbst 1896 Wohnungswechsel Karl Lamprecht zog nach Vordergohlis in die Äußere Hallesche Str. 9 II, vermisste dabei seine Frau, für die nach Verschlimmerung ihres Zustandes keinerlei Rückkehr nach Hause bestand. Für Karl Lamprecht war es klar, dass die Trennung endgültig war, denn seine Schwägerin /Schwester von Karl Lamprecht´s Frau, Maria zu Putlitz wurde auch in eine Anstalt eingewiesen. Das gab KL zu denken. Wie ein Alptraum lag die Gewissheit auf ihm, dass er in eine belastete Familie eingeheiratet hatte. Fotos aus dieser Zeit zeigen seinen ernsten Gesichtsausdruck. Er fand nur einen Weg - arbeiten, arbeiten, arbeiten.
In seinen Vorlesungen ging Karl Lamprecht anfangs nicht auf den Methodenstreit ein. Zu schwer waren die persönlichen Anfeindungen und zu offensichtlich, das seine Gegner nur darauf warteten. Jedoch die Wissenschaftler setzen sich detaliert mit seinen Themen auseinander. Die einen sachlich, die anderen unter Niveau. Als er am 16.3.1896 in der Neuen Halle des Kristallpalastes am Gedenktag für Bismarck die Rede halten durfte, war das erneut Grund für Neid und Verdruss. Eigentlich hätte E.Marcks diese halten müssen, da er der kompetente Fachvertreter war.
1897 trat eine Phase der Auseinandersetzungen ein, die nicht zum Ruhme deutscher Gelehrter gedieh. Der Streit nahm beschämende Formen an. Keiner der Beteiligten war von der Schuld frei zusprechen, auch Karl Lamprecht nicht. Die Lage beruhigte sich, was sich positiv auf KL auswirkte. Zeitschriften für Geschichtswissenschaften befinden, er habe gesiegt. Doch dann weist Oncken nach, das Karl Lamprecht "abgeschrieben" hatte. Seine schlechte Quellenarbeit in Band V der Deutschen Geschichte wurde zu einem Fehler, der wie ein Makel bis heute auf ihm ruht. Er verwahrte sich gegen diesen Vorwurf der wissenschaftlichen Unehrlichkeit. Oncken wies zwar schlechte Quellennachweise durch Karl Lamprecht nach, war aber hämisch und giftig, was seiner Karriere schadete. Die Affäre mit Oncken bleibt eines der betrüblichsten Kapitel der wissenschaftlichen Kritik, was KL zu unüberlegten Äußerungen hinriss, da er sich in seiner Ehre angegriffen fühlte. Er begab sich (leider) auf das niedrige Niveau seiner Gegner herab.
Diese Streitigkeiten raubten ihm viel Zeit und Gesundheit. Oncken seinerseits sucht noch intensiver nach Fehler, fand leider erschreckend viele. Der Streit weitet sich aus. Beteiligte Wissenschaftler gingen so weit, dass ein Prozess zu Stande kommen sollte (zwischen zwei anderen Wissenschaftlern - Harden und Delbrück). KL war nicht daran beteiligt, aber seine Geschichtsauffassung war der Anlass. Das Gezänk kostete Karl Lamprecht viele Nerven, aber nicht so, das es seinen Arbeitseifer einschränkte
Kurzum begab er sich mit seinen Kindern nach Herrenalb. Hier traf er sich mit Familie Mühl (die Eltern seiner Frau), die ihre Enkelkinder sehen wollten. Die Situation war äußerst kritisch.
1898 zieht er in die Schillerstr. 7 und das wurde bis zu seinem Tod sein "definitives Nest". Die Wohnung ließ er sehr geschmackvoll, aber auch sehr liebevoll herrichten. Es war ein Zeichen für Karl Lamprecht`s Nestgebundenheit. Nur selten ging er aus. Nur zum "Kränzchen" und zum "Französischen Tee", wozu ihn Emma Bruch überredete.
Seit 1898 veröffentlichte Karl Lamprecht Beiträge in "Zeitschrift für Kulturgeschichte", nicht mehr in der „Deutschen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften“. Es war seine persönliche Entscheidung, die mit dem Geschichtsstreit und dem persönlichen Empfindungen Einzelner zu tun hatte. Zum Historikertag am 12. bis 14.4.1898 hielt er einen Vortrag im Rathaus Nürnberg, welcher großes Echo hervorrief. Lamprecht: "Die historischen Interessen drehen sich rapide in die von mir eingeschlagene Richtung." Auch sein Besuch in Berlin - "in die Höhle des Löwen" verlief wider Erwarten erfolgreich. Er erhielt dort großem Beifall für Vorlesungen. Das ist das Paradoxe: obwohl er so erbittert kritisiert wurde, begeisterten sich die Menschen für seine Arbeiten. Im Osten Europas war Karl Lamprecht keine unbekannte Persönlichkeit, beispielsweise in Russland und Rumänien. Selbst in Italien horchte man auf. In Deutschland wurden seine wissenschaftlichen Gedanken vor allem von Geschichtslehrern begrüßt und durch sie wurden Veröffentlichungen betrieben.
10. Mai 1898 schreibt er an seinen Bruder Hugo: "Ich bummele diesen Sommer mal, um die Nerven in Brache zu legen." Er hatte es aber nicht getan, weil er es einfach nicht konnte. Im Juni 1898 hielt er einen Vortrag in Lunzenau beim Sächsischen Landesverband. Der Verlag Ernst Hoffmann bat ihn um eine Bismark - Biografie. Lamprecht ist unschlüssig, da er am VI. Teil der "Deutsche Geschichte" arbeitete, sagte aber dann für den 1.2.1899 zu. 1901 sagte er jedoch das Vorhaben ab.
1898 erscheint Teil VI. in einer ersten Teilveröffentlichung.
Pfingsten 1899 legte er eine Erholungspause ein. Er fuhr nach Eisenach, "damit die Kinder in ihrem Heldenzeitalter die Wartburg sehen". Kurze Zeit später muss er zu einer Kur nach Kissingen, "mein Magen ist so gut, wie seit Olims Zeiten nicht!"
Sein Gegner v. Below schrieb das Werk "Die neue historische Methode", um den Streit neu aufzunehmen. Es missfiel ihm, dass Nicht-Wissenschaftler "lauter wurden" und namhafte Ausländer sich mit Karl Lamprecht solidarisch erklärten. Below sagte: Er fühle sich berufen, "die Axt zu gebrauchen!" Das war eine selbstherrliche Kritik, ohne sachlichen Diskussionswert. Im Gegenzug schrieb Lamprecht "Die historische Methode des Herrn von Below". Eine sachliche Kritik, ohne auf die Angriffe einzugehen. 1899 mieden viele Geschichtsstudierende seine Lesungen, weil sie fürchteten, in den Streit mit einbezogen zu werden. Trotzdem war er unter den jungen Menschen sehr beliebt. Zur Reichsgründungsfeier wurde er aufgefordert die Rede zu halten. Mit ihr erregte er großes Aufsehen, weil sie Zeitprobleme anstieß. Lamprecht betonte: „ … dass die Aufgabe des Historikers nicht sein könnte, in den bloßen Jubel des Tages einzustimmen, auch wenn er noch so berechtigt sein sollte oder vom Standpunkte dieses Tages aus die nächstliegenden aktuellen Vorgänge der Politik zu beleuchten. Der Historiker ist kein Politiker, wie man oft gesagt hat, gerade sie neueren Vorgänge haben deutlich gezeigt, dass er seinem Beruf untreu wird, wenn er gegenüber jeder Maßregel der Tagespolitik Stellung zu nehmen sucht. Der Historiker kann vielmehr das Leben der Gegenwart nur in dem Sinne zu fördern suchen, dass er es allein in seinen allergröbsten Zügen begleitet, in jenen Zügen, die einen deutlichen, sich unwidersprechlich klaren Zusammenhang mit einer weiten Vergangenheit aufweisen. In dieser Hinsicht aber ist es für ihn auch Pflicht zu reden; gleichsam soll er der Archivar der Nation sein, der in Lebensfragen der nationalen Gesellschaft, der er angehört, die Akten herbeiholt und aufschlägt und ihren Inhalt reden lässt unbekümmert um den Wogenschaum der Tagesmeinungen, der rechts und links von ihm aufspritzt“
Diese Rede wurde in den Medien prompt veröffentlicht.
1899 reiste Karl Lamprecht mit seinen Kindern nach San Martino di Castrozza . Dort verlebten sie „…in 1.467 Meter Höhe eine schöne gemeinsame Zeit“, die er natürlich zum Arbeiten nutzte.
Der Streit um den V. Band der Deutschen Geschichte verzögerte die Arbeiten an den restlichen Teilen. Fünf Jahre hatte er um sein Werk und um seine Person gekämpft. Zum Jahreswechsel 1900 trat auch für KL. eine Wende im Leben ein: der erbitterte Kampf um die Geschichtsauffassung war beigelegt, wenn auch nicht vergessen. Warum er in den Alldeutschenverband eingetreten war, ist heute nicht nach vollziehbar. Zum Historikertag am 4.-7.4.1900 in Halle hielt er sich zurück. Auf der Rückfahrt besuchte er seinen Bruder Hugo in Meßdorf. Er hatte erfahren, dass die Krankheit seiner Frau schon vor der Verlobung vorhanden war, fühlte sich betrogen und stritt sich mit der Familie seiner Frau. Bei seinem Bruder fand er die Ruhe seiner Familie
Wieder versuchte er sich mit viel Arbeit abzulenken. Am 23.-29. Juli 1900 besuchte er die Weltausstellung in Paris und verbrachte im Seebad Caen in der Normandie einige Tage. Er las sehr, sehr viel, und bereitete sich mit Leib und Seele auf die "Deutsche Geschichte" vor. Eine Krankheit, eine lästige Gesichtsneuralgie, unterbrach allen Arbeitseifer. Der Arzt riet ihm zu einer Reise in den Süden. So begab er sich an die französische Riviera, um die Sache ausheilen zu lassen. Anschließend musste er noch zu einer sogenannten Wasser- und Elektizitätskur in Tharandt. Danach unternimmt er mit seinen Kindern eine ausgiebige Reise. Seine Reisen waren nie persönlich geprägt, er legte sie so, dass er sie als Studienreise für die Erweiterung seines Wissens nutzen konnte. Es ist auch das Jahr, wo er entschied, dass die „Deutsche Geschichte“ zwölf Bände haben sollte, die zusätzlichen Ergänzungsbände nicht mitgezählt.
Er besuchte Operetten, um sich zur Ruhe zu bringen. Er sagte, dass er während des II. Aktes ein ganzes Kapitel des 2. Ergänzungsbandes im Geiste korrigiert hatte.
Als er sich im Herbst 1900 mit seinen Kindern in Eisenach im Hotel Junker Jörg auf Hainstein aufhielt, erhält Nachricht, dass der Zustand seiner Frau sich sehr verschlechtert hatte. Doch auch für sich fühlte er, dass seine Gesundheit nicht die Allerbeste war. In der Sylvesternacht 1901 schreibt seinen letzten Willen auf: "Ich wünsche keine Leichenfeier in Leipzig, sondern nur ein stilles Gebet in meiner Wohnung mit Bibelsprüchen. Meine Ruhestätte soll Schulpforte sein, ich will das im Sommer ausmachen." Er war 45 Jahre alt und ahnte, dass ihm kein langes Leben vergönnt war. Ferner wünschte er, dass seine Briefe von Mevissen, Ritter, Immisch, Wenck, Breysing, Hoeniger, Heinze, und v. Norden zurückgefordert würden es waren diese, in denen er am meisten von seinem Wesen niedergelegt hatte. Diesem Wunsch ist man nach seinem Tode nicht nachgekommen. Für Schulpforta setzte er eine Summe von 20.000 M fest, um alte Pförtner mit Wissenschaftsneigung zu unterstützen. Die Universität Leipzig sollte leer ausgehen.
Schon im folgenden Jahr musste er zur Kur nach Wiesbaden. Er arbeitete emsig weiter und befasste sich mit tiefen Zusammenhängen der deutschen Geschichte auf den verschiedensten Gebieten. Es war erstaunlich, in welche Fachgebiete sich Karl Lamprecht gewagt hatte. (z.B. PANDYNAMISMUS - wurde in Band VI abgedruckt).
1902 begab er sich zur Erholung mit seinen Töchtern über Thüringen nach Stuttgart, Freudenstadt, Titisee, Stein a. Rhein, Konstanz, Meersburg, Überlingen, Reichenau, Singen, Hohentwiel nach St. Gallen. Eigenartige Lektüre begleitete ihn auf dieser „Wanderung“: zur Vorbereitung für den letzten Ergänzungsband seiner deutschen Geschichte vertiefte er sich in die Reden Kaiser Wilhelms.
Zu Pfingsten trafen sie dann in Bad Kösen ein.
Sein Wesen war es, nach harten Kämpfen eine riesige Arbeitsintensität zu entwickeln. Mit den Kindern verbrachte er einige freie Zeit, sofern er das kannte, in der Gehlberger Mühle in Thüringen. Eine weitere Studienreise führt ihn von Venedig bis zum Gardasee. Karl Lamprecht : „Habe auf dieser Reise viel gelernt, ganz neue Gegenstände und Probleme sind mir aufgegangen." In dem Jahr benutze er bewusst und stolz zum ersten Male die Schreibmaschine! Für alle eine Erleichterung. Seine Handschriften wurden als "Spinnenbeine" bespöttelt.
1903 schreibt er an seinen Bruder: „ Und doch gibt es an eins zu denken! Ich habe mir und Thilde mein Plätzchen ausgesucht.“ Lamprecht hatte sich im Alter von 47 Jahren seine Grabstelle für 40 Jahre ausgesucht! Die Abtkapelle in Schulpforta, einst Privatkapelle des Abtes, ließ er dafür aus eigenen Mitteln renovieren.
In Heidelberg fand in dem Jahr der 7. Historikertag statt. Hier traf er auf Below. Zuerst wollte nicht hinreisen, dann jedoch hielt er dort einen Vortrag. Das Auftreten Karl Lamprecht war in aller Hinsicht achtunggebietend. Niemand hatte an seinem Können gezweifelt, auch seine Gegner nicht.
Pfingsten 1903 weilte er in Potsdam mit den Kindern. Er schrieb in einem Brief: „Alles wird gebraucht: Friedrich der Große für meine "Deutsche Geschichte", Hohenzollernbegeisterung für die Kinder, sowie für Tante Bruch, eine Elsässerin, Germanisierung." Sie besuchten den Park Sanssouci, fuhren nach Berlin, wo sie viele Museen besuchten. Zitat: „ Was bedeutet nun die große Persönlichkeit, sei es des Kulturlebens, sei es des Krieges und der Politik in der Geschichte? Große Persönlichkeiten sind nur Führer nach entwicklungsgeschichtlich nahegelegten, eben herannahenden Zielen einer immanenten Entfaltung. Und die Masse, die viel zu vielen? Keiner kann geschichtlich entbehrt werden. Auch ihnen gilt das Gesetz der schöpferischen Synthese. Aus der Tätigkeit aller entsprießen die Notwendigkeiten der Kulturentwicklung, entquillen die großen, entscheidenden Wechsel, denn eben durch sie wird durchaus wesentlich die Wirtschaftsentwicklung mit bestimmt. In der Politik tritt an Stelle des Vorbildes der Befehl, im Kriege Befehl und Gehorsam. Da der große Held in der Politik und im Kriege die große Persönlichkeit sinnfällig macht, hat man dies in der Geschichte am meisten beachtet.“
Im Grunde genommen, ist das die Kernaussage für Lamprechts Lebenswerk. Aber er kennt auch seine Grenzen: „Wer von hohem Bergeswipfel aus eine weite Landschaft in Morgen- und Abendbeleuchtung, bei langem Strahl der Sonne, betrachtet, der genießt der äußeren Schärfe der Umrisse in allen Höhen bei manch braunem Nebel der Tiefe; der Hauch der Grüfte dringt nicht bis zu ihm empor. Wer dieselbe Landschaft am Mittag, unter senkrecht einfallendem Strahl sengender Mittagssonne, sieht dem erscheint jede Einzelheit zu seinen Füssen aufdringlich klar, während die Fernen verschwimmen. Es ist der Unterschied zweier Arten wissenschaftlicher Betrachtung, einer fernsichtigen und einer nahsichtigen: beide haben, wie sich ohne Weiteres ergibt, ihre besondere, sehr voneinander abweichende Auffassungsweise und dementsprechend auch eine verschiedene Art der Akribie. Freilich gibt es noch eine dritte Art der wissenschaftlichen Arbeitsweise. Sie verteidigt Nahes und Fernes in gleichem Augenmaß..." Karl Lamprecht gibt hier den Hinweis auf die Begrenztheit seiner Arbeitskraft.
Als er 1903 von einer Studienreise, natürlich mit den Töchtern, zurückkehrt, ist er in Leipzig im Kollegenkreis nicht wirklich willkommen. Lamprecht spielte mit dem Gedanken, Leipzig zu verlassen. So widmete er sich musikalischen Studien mit Woldemar Sacks, der "Kabarett des Lebens" schrieb. Er hielt viele Vorträge in vielen Orten, besucht die Kruppwerke und Fabriken der Seidenindustrie. So kam es ihm gerade recht, eine Einladung zum Jubiläum der Columbia Universität in New York anzunehmen. Er rackerte wie verrückt, um diese Reise vorzubereiten und seine Arbeit zu Hause zu schaffen. 1903 erschien ein Ergänzungswerk zur "Deutsche Geschichte", dessen Inhalt eine unheimliche Fülle von Details zu einem Ganzen verarbeitete. Das bot Wissenschaftler und Laien eine gute Einsicht. Man konnte Positionen finden, die bisher nur zusammenhanglos als Punkte gewertet waren. Fachhistoriker schwiegen betroffen. Eigentlich erwartete man den VI. Band der "Deutsche Geschichte". Man stand voller Verwunderung und Stauen vor diesem Werk und fragte sich, wie ein Einzelner das Werk zustande gebracht habe!
1904 März reiste er mit Marianne und Fr. Bruch nach Paris, um seine Tochter in einer Pension unter zu bringen. Sie besuchten in Paris viele Theater und Museen. Erst Pfingsten war die Familie wieder zusammen. In Weimar wollte er seinen Kindern die historischen Stätten zeigen.
1904 reiste er in die USA mit den Worten : "Ich freue mich, das Land der Widersprüche kennen zu lernen". Am 26.7.1904 ging er an Bord der Kaiser Wilhelm II. mit Badekerreiseführer "USA 1904", las auf der Überfahrt englische Dichter und kleine wissenschaftliche Essays. Am 31. 10 1904 wurde er als Doktor der Jurisprudenz promoviert. Das war eine seltene Ehre und mit stolz hat er sein LL.D geführt und nahm an der Jubiläumsfeier der Columbia Universität teil. Zur Weltausstellung St. Louis hielt Karl Lamprecht einen Vortrag. Ein Angebot von 50.000 Dollar jährlich, wenn er in Amerika bliebe, lehnte er mit Entschiedenheit ab. Karl Lamprecht wollte das Land als Globetrotter auf sich wirken lassen, dann erst als Wissenschaftler. (siehe „Americana“) Am 28.4.1906 wurden Ausschnitte daraus veröffentlicht. Es kam zu Beschwerden und er wurde gedrängt, den ganzen Inhalt zu veröffentlichen. Eigentlich sollte nur ein Reisetagebuch sein, nur Andeutungen. Später wollte er sich tiefer mit der amerikanischen Geschichte befassen. Am 8.11.1904 brachte ihn ein Schiff zurück nach Europa.
In der Zwischenzeit hatten auch andere Wissenschaftler harte Kämpfe an der Universität Leipzig z.B. Oswald. Als die Geisteswissenschaftler, die sich auch gegen Karl Lamprecht gestellt hatten, es doch zu arg trieben, kündigte Oswald und schied aus dem Lehramt aus.
Ende des Jahres 1904 reichte Volkelt eine Dissertation mit dem Titel „Untersuchungen über das Zeichnen der Kinder bis zum 14. Lebensjahr mit kulturellen und ethnologischen Parallelen" ein. Karl Lamprecht hatte brennendes Interesse daran und plante eine große Sammlung von Kinderzeichnungen. Der Aufruf wurde weltweit abgedruckt. Wo die Zeichnungen heute sind, weiß ich nicht.
Ende 1904 zog Lamprecht die Konsequenzen aus den vergangen Kämpfen und steuerte eine Verselbstständigung seiner institutionellen Einrichtungen an. Für die Forschungen in der Kinderpsychologie und Völkerkunde benötigt er eine Räumlichkeit, die ihm versagt wurde. Karl Lamprecht war empört über die Art der Behandlung der Angelegenheit und drohte, seine Pensionierung in Erwägung zu ziehen, wenn man ihn in seine Arbeiten behindere. Eigentlich war das eine Lappalie. Doch die Oswald-Affäre war noch frisch. Die Regierung konnte sich den Verlust von zwei Kapazitäten nicht leisten. Noch ein Schreiben und KL bekam die Räumlichkeiten.
Am 13.2.1905 hielt Lamprecht einen Vortrag über deutsche und japanische Kunst in der Deutschen Gesellschaft. Zum ersten Mal trat er mit Äußerungen unversalgeschichtler Art hervor. Am 18.2.1805 steht im Hamburger Corrospondent: „Man muss es nur gesehen haben, das süffisante, selbstgefällige Lächeln, womit man die Bestrebungen Karl Lamprecht begrüßte." Bei dieser Sachlage erfuhr Karl Lamprecht von Machenschaften (anonyme Gutachten), gegen die er energisch einschritt. Man wollte keine historisch-japanischen Übungen und lehnte den Begriff Universalgeschichte ab.
Das Pfingstfest 1905 verbrachte Karl Lamprecht mit seinen Kindern diesmal auf der Insel Rügen. Danach begibt er sich wieder auf eine Studienreise, diesmal in das Rhein land. Später reiste er mit Tochter Marianne in den Süden nach Florenz, wo sie in der Pension Marianne übernachten. Im selben Sommer nimmt er in "Papsttum und Deutsches Reich" Stellung zum damaligen Papststreit. Auch ein neuer Streit machte sich breit. Lamprecht konnte machen, was er wollte, immer stand die geschlossene Front gegen ihn. Aber der tiefe Grund liegt in der Starrheit der Formalitäten der Universität Leipzig. Diese Missstände drangen nicht nach außen und waren weitgehend unbekannt. Die Studentenschaft stand hinter Lamprecht. Auch, weil er sie aktiv aufforderte, sich mit außergeschichtlichen und außerpolitischen Fragen zu beschäftigen.
Im Jahre 1906 folgte die Gründung des Seminars für Landesgeschichte und Siedlungskunde, dessen Leitung Rudolf Kötzschke übernahm. Lamprecht freute sich außerordentlich über die eintretenden Erfolge.
1906 Basel fuhr er mit Elisabeth nach Mailand. Sie trafen sich dort mit Marianne, die aus Florenz kam. Der Rückweg führte sie über Jessen und Wittenberg. Das ist der einzige Hinweis, der annehmen lässt, das Karl Lamprecht 1906 das letzte Mal in Jessen war. Kurze Zeit später unternimmt er eine Studienreise nach Paris, wo seine Tochter Marianne eifrig die japanisch-chinesische Kunst studierte. Sehr viel Zeit verbrachte er in Fontainebleau, hielt in Brüssel einen Vortrag vor politischem Publikum und arbeitete intensiv an der Deutschen Geschichte.
Im Jahre 1907 sollte der „Goldener Bär“ zum Haus für "Kultur - und Universalgeschichte" werden. Es war in einem erschreckendem Zustand. Für die Ausstattung sammelte Lamprecht im Rheinland (!!!) 6.000 Mark. Gönner spendeten weitere 30.000 Mark. Er kaufte Bücher für die Bibliothek und legte fest, dass alle seinen Bemühungen später ein Vorzug für seine Kinder sein sollte.
Eine Reise vom 9.3.-26.4.1908 mit den Töchtern in den Süden, wobei Süden in der Quelle nicht immer lokal definiert ist, verband er mit Vorträgen in Wien.
1909 wurde das Königlich - sächsischen Institut für Kultur und Universalgeschichte gegründet, das erste geisteswissenschaftliche Institut, das nicht einer Universität, sondern direkt dem Ministerium unterstand. Weitere zehn Institutsgründungen waren geplant. Es war das größte geistes-wissenschaftliche Institut derzeit in Deutschland mit ca. 64.000 Büchern und bedeutsamen Sammlungen. In der Bombennacht vom 4.-5. Dezember 1943 in Leipzig wurde fast alles zerstört. Vorlesungsmanuskripte, eine vollständige Sammlung von Lamprecht´s Schriften, viele amtliche Briefe, Akten des Forschungsinstituts und der der größte Teil der Bibliothek wurden für immer vernichtet.
Im Januar 1912 wurde Karl Lamprecht für den Nobelpreis vorgeschlagen. In Deutschland hatte kaum jemand etwas davon gewusst. 1913 trat Lamprecht energisch für eine Vermittlungsstelle zur auswärtigen Kulturpolitik ein.
Als der Krieg 1914 ausbrach, konnte jeder in seiner Umgebung seine Fassungslosigkeit bemerken. Unvergesslich blieb ihm der Abschied von seinen Studenten, die in den Krieg ziehen mussten. Nicht sehr viele Worte konnte er herausbringen, die Erregung erstickte seine Stimme. Jedem Einzelnen gab er die Hand. Jeder war zutiefst ergriffen von einem Manne, der den Krieg im Grunde verschmähte, weil er Vernichtung der Kultur, der sein Leben galt, bedeutete. Diese schweren Tage nahmen ihm das Herz. Er war seitdem an Leib und Seele getroffen. Es war rührend, wie er mit allen verbunden blieb. Jede Feldpostnachricht wurde sorgsam beantwortet. Seine Töchter halfen ihm beim Packen von kleinen Gaben für die Front, wo Lamprecht keinen Gedanken an finanzielle Kosten hegte.
Er glaubte, dass er mit Wort und Schrift die Nation stützen und stärken könnte. Am 23. August 1914 sprach er in der überfüllten Alberthalle in Leipzig „Zur Lage der Nation“. Später folge der „Deutsche Aufstieg 1750 1914“. Diese Reaktion von Karl Lamprecht wird weitgehend überbewertet, weil aus heutigem Erkenntnisstand die weitere kriegerische Entwicklung Deutschlands als Völkervernichtendes Monstrum nicht zu erkennen war. Es müssen seelische und körperliche Erschütterungen ganz erheblicher Art gewesen sein, so dass er sich entschloss mit ärztlichem Attest Urlaub zu erwirken. Niemand wusste um seinen gesundheitlichen Zustand, so wunderte man sich sehr, dass er so darauf bestand.
Im März besuchte er den Kriegsschauplatz in Belgien. Sein belgischer Freund Henri Pirenne, mit dem er über 30 Jahre befreundet war, wies ihm die Tür. Er hatte seinen Sohn in diesem Krieg verloren. Seitdem hegte er unversöhnlichen Hass gegen alle Deutschen. Das traf Lamprecht hart und er versuchte seine belgischen Historikerkollegen davon zu überzeugen, dass Deutschland nicht auf eine Annexion
Belgiens sinne. Vergeblich!
Erschüttert durch diese Erlebnisse erlitt Lamprecht am 5. April 1915 einen Schwächeanfall. Nur mühsam absolvierte er noch einen letzen Empfang und verließ am nächsten Tag Belgien.
Die Ärzte erkannten seinen tragischen Zustand. Sie mussten ihn förmlich aufs Lager zwingen. Lamprecht wusste, wie es um ihn stand. Am 17. April 1915 schrieb er nach Pforta, um die Angelegenheit mit seiner Ruhestätte völlig in Ordnung zu bringen. Wer ihn in diesen Tagen sah, bemerkte, wie jeder Blutstropfen aus seinem Antlitz verschwand und wie er schwächer und schwächer wurde. Die Ärzte bestanden auf die Einlieferung in ein Krankenhaus. Vom Krankenbett aus schreibt er dem Kanzler Bethmann-Holweg, gibt seiner Sorge um Deutschland mit fast flehenden Worten Ausdruck. Die letzten Briefe schrieb er an seine Töchter…
In der letzten Stunde des 10. Mai 1915 ist Lamprecht nach langer Bewusstlosigkeit an Entkräftung eingeschlafen. Allen kam der Tod überraschend.
Die Trauerfeierlichkeiten in Leipzig waren vielfältig und zogen sich von 16. bis 20. Mai 1915 hin. Die Äußerungen in den Medien waren beachtlich und in ihrer Zahl weltweit gewaltig. Wie immer, im Angesicht des Todes begreift man erst, was man verloren hat.
Diese (kurze) Zusammenstellung von den privaten Ereignissen um den Historiker Lamprecht ist eine Ausarbeitung/ Zitierung aus den unveröffentlichten Bänden „Karl Lamprecht“ von Prof. Herbert Schönebaum.
Zum Schluss noch ein letzter Ruf eines Historikers, der seiner Zeit weit voraus war:
„Ein Ruf an die Jugendlichen! Nicht bloß die Helden, nein, auch Ihr, Ihr alle und jeder von Euch im Besonderen, seid dazu bestimmt, einmal öffentliche Personen zu sein, gehört auch mit dem still bescheidensten Wirken wie von heute so vor allem Eurer späteren Tage der Geschichte an. Eure Verantwortlichkeit ist nicht nur eine private, sondern eine geschichtlich-öffentliche, und vor Gott und Menschen werden spätere Geschlechter Euch preisen und verfluchen, je nach dem geschichtlichen Verlauf der Euch geschenkten Gegenwart!" 1897
Ines Mann
Jessen, 25. Februar 2011
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15.06.2011 | 02.06 Uhr | Profil gelöscht
"Diese (kurze) Zusammenstellung von den privaten Ereignissen um den Historiker Lamprecht ist eine Ausarbeitung/ Zitierung aus den unveröffentlichten Bänden „Karl Lamprecht“ von Prof. Herbert Schönebaum."
Wat bin ich froh, dass wir nicht die lange Zusammenstellung aufs Auge gedrueckt bekommen haben ;-)))
Wat bin ich froh, dass wir nicht die lange Zusammenstellung aufs Auge gedrueckt bekommen haben ;-)))
15.06.2011 | 01.46 Uhr | Profil gelöscht
ich sags doch immer wieder: Keine Ahnung, was den Leser interessieren koennte.
Wen interessiert der Lebenslauf von Karl Lamprecht ??
Haette sie wenigstens was ueber Karl Mai oder Karl Adam, dem Ruderprofessor aus Ratzeburg, geschrieben ? Aber so ?
Und dann dieser langatmige Text, den sich mit Sicherheit keiner von oben bis unten lueckenlos reingezogen hat.
Von "Fasse dich kurz" hat die Dame offensichtlich noch nix gehoert oder gelesen?
der Einzige, der hier ueberhaupt einen Kommentar abgegeben hat, war ein Wessi. Und der hat wenigstens noch eine Falschmeldung entdeckt ;-)
Ehrlich gesagt, spannend ist die Geschichte nicht. Aber das sind ja die meisten nicht.
Dat Ines hat sich zu Recht abgemeldet. Warum sollte sie weiter auf einem Friedhof wie hier Mammuth-artikel schreiben?
Wen interessiert der Lebenslauf von Karl Lamprecht ??
Haette sie wenigstens was ueber Karl Mai oder Karl Adam, dem Ruderprofessor aus Ratzeburg, geschrieben ? Aber so ?
Und dann dieser langatmige Text, den sich mit Sicherheit keiner von oben bis unten lueckenlos reingezogen hat.
Von "Fasse dich kurz" hat die Dame offensichtlich noch nix gehoert oder gelesen?
der Einzige, der hier ueberhaupt einen Kommentar abgegeben hat, war ein Wessi. Und der hat wenigstens noch eine Falschmeldung entdeckt ;-)
Ehrlich gesagt, spannend ist die Geschichte nicht. Aber das sind ja die meisten nicht.
Dat Ines hat sich zu Recht abgemeldet. Warum sollte sie weiter auf einem Friedhof wie hier Mammuth-artikel schreiben?
16.04.2011 | 14.03 Uhr | checkmate
So viel Arbeit, [22] - 4 Leser.
24.03.2011 | 17.15 Uhr | checkmate
So viel Arbeit, [10] - 2 Leser.
21.03.2011 | 13.28 Uhr | checkmate
Ich frage mich, wie Lamprecht 1870 über den Krieg 1870/71 „ "Der Friede ist da!“ geschrieben hat. Der Krieg begann 1870 und endete 1871.








