Dessau - gestern, heute und morgen
IBA 2010, Westgrünzug
Lemm(y)i fragt mich:
Stimmt das ? Kannst du dazu etwas schreiben und wie sind die Empfindungen der Menschen bei diesen Entwicklungen ?

Ja, das stimmt!

Dazu mit Google* folgende Einzelheiten:

1. Zur Stadtgeschichte
Die Geschichte der Stadt Dessau geht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Europaweite Bedeutung erlangt die bis dahin kleine Residenzstadt im Laufe des 18. Jahrhunderts: Durch die Regierung des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau entwickelt sie sich zu einem Zentrum der deutschen Aufklärung. Sichtbarstes Zeichen ist bis heute das Dessau-Wörlitzer Gartenreich – ein damals europaweit rezipiertes landschaftsarchitektonisches Reformwerk von Aufklärung und Humanismus. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verändert die massive Industrialisierung das durch Renaissance und Klassizismus geprägte Stadtbild. Zu den bedeutendsten Unternehmen zählen die Junkers-Werke. Das industrielle Profil der Stadt bot gute Vorraussetzungen dafür, dass sich das historische Bauhaus, das sich seinerzeit als „Laboratoriumsstätte der Industrie“ verstand, 1926 in Dessau ansiedelte. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Industriestadt zu über 80 Prozent zerstört. Der sozialistische Wiederaufbau bestimmt das Stadtbild. Insbesondere in den 1970er-Jahren entstehen zahlreiche Plattenbausiedlungen. Dessau zählte zu den wichtigen industriellen Zentren der DDR.

Nach der politischen Wende 1990 verliert Dessau den Status als Industriestadt. Durch die Ansiedlung der Hochschule Anhalt und des Umweltbundesamtes sind neue Impulse für die Stadt gesetzt worden. Gleichzeitig zählt Dessau seit Mitte der 1990er-Jahre drei UNESCO Weltkulturerbestätten (Dessau-Wörlitzer Gartenreich, Biosphärenreservat Mittlere Elbe, Bauhaus Dessau). Trotzdem führen Deindustrialisierung und demografischer Wandel zu gravierenden Strukturumbrüchen. Die Bevölkerungszahl der Stadt sank um etwa 20 Prozent. Die Folgen sind neben der nachlassenden Wirtschaftskraft vor allem die im Stadtbild sichtbaren Leerstände der Wohnquartiere.

Am 1. Juli 2007 schloss sich Dessau mit dem benachbarten Roßlau (Elbe) zur Stadt Dessau-Roßlau zusammen.

 
2. Stärken-Schwächen-Profil der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau
Die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau belegt mit 39,9 Punkten Platz 381 von insgesamt 409 Kreisen und kreisfreien Städten im zweiten wissenschaftlichen Regionalranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Innerhalb des Landes Sachsen-Anhalt belegt Dessau-Roßlau Platz acht unter 14 Kreisen und kreisfreien Städten. Die INSM-Studie berücksichtigt zahlreiche ökonomische und strukturelle Indikatoren wie Kaufkraft, Bruttoinlandsprodukt und Ausbildungsplatzdichte. Wo Dessau-Roßlau punktet - und wo nicht, zeigt folgende Übersicht:
Stärken

* In der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau werden 72,5 Prozent aller Kinder unter sechs Jahren in Kindertageseinrichtungen betreut. Bundesweit liegt der Anteil bei 54,3 Prozent. Damit belegt die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau Rang 15 im INSM-Ranking. Unter 14 Städten und Kreisen in Sachsen-Anhalt wird Rang sieben erreicht.
* 12,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Dessau-Roßlau haben einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Bundesweit liegt der Anteil Hochqualifizierter bei 7,8 Prozent. Deutschlandweit ergibt sich so Rang 48 sowie Platz drei unter 14 untersuchten Städten und Kreisen in Sachsen-Anhalt.
* Die Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände belaufen sich in Dessau-Roßlau auf 1.092 Euro je Einwohner. Bundesweit sind es im Schnitt 1.456 Euro. Das sorgt für Rang 134 im INSM-Ranking und Platz drei unter 14 Städten und Kreisen in Sachsen-Anhalt.

Schwächen

* Im Jahr 2007 registrierte man in der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau 13.581 Straftaten je 100.000 Einwohner (Bundesdurchschnitt: 6.786 Delikte). Daraus folgt Rang 402 im Gesamtranking und Platz 13 von 14 in Sachsen-Anhalt.
* Junge Arbeitslose sind eine besondere Problemgruppe am Arbeitsmarkt, weil die Gefahr besteht, dass Betroffene den Einstieg in Arbeit gar nicht finden. Im September 2008 waren in Dessau-Roßlau 7,7 Prozent aller 15 bis 24-Jährigen arbeitslos. Im Bundesmittel lag der Anteil junger Arbeitsloser bei 3,5 Prozent. Rang 398. Im eigenen Bundesland kommt Dessau-Roßlau damit auf Platz zehn von 14 Städten und Kreisen.
* 14,1 Prozent der über 18-Jährigen in Dessau-Roßlau sind nach Definition der Organisation creditreform privat verschuldet. Deutschlandweit sind es 9,6 Prozent. Platz 383 im Bundesvergleich, Rang zwölf von 14 im eigenen Bundesland

 
3. IBA-Stadtumbau 2010 Dessau-Roßlau seit 2007
Das rasante Wachstum der Stadt Dessau-Roßlau während der Industrialisierung führte zur Integration mehrerer historischer Siedlungskerne. Kriegszerstörung und Altbauverfall sowie sinkende Einwohnerzahlen seit 1990 haben dafür gesorgt, dass der Stadtkörper zu groß für die Anzahl der Bewohner geworden ist. Außerdem fehlt ein starkes Stadtzentrum. Ein „konzentrisches Schrumpfen“ ist deshalb nicht möglich. Damit es nicht zu einer ungeregelten Perforation kommt, hat sich die Stadt im Rahmen der IBA für ein radikales Umbaukonzept entschieden. Quartiere werden als urbane Kerne verdichtet und durch bauliche Ergänzungen und soziale Netze gestärkt. Diese werden von landschaftlichen Zonen umgeben, die durch den Abriss städtischer Bebauung entstehen. Einige dieser Flächen werden von Bewohnern der Stadt, sogenannten „Akteuren und Paten“, betreut und repräsentieren damit neue Formen einer bürgerschaftlichen Aneignung von Stadtumbaulandschaften. Zugleich werden innovative Pflegekonzepte und damit eine neue Ästhetik der urbanen Landschaft in Anlehnung an das Gartenreich erprobt. Zur Begleitung dieses Prozesses wurde eine Planungswerkstatt gegründet, in der verschiedene Institutionen, Ressorts und bürgerschaftliche Vereinigungen zusammenarbeiten.

Szenario 2010

Landschaftliche Zonen sind zusammenhängend erlebbar. Urbane Kerne sind gestärkt und werden mit besonderen, für die jeweiligen Stadtquartiere spezifischen Funktionsbereichen ausgestattet. Das Zusammenspiel von urbanen Kernen und landschaftlichen Zonen ist entlang des „Roten Fadens“ für den Besucher physisch erlebbar und wird unter dem Motto „Stadtumbau erzählen – Bürger aktivieren“ kommuniziert.

Aktueller Stand

2258 Wohnungen wurden bisher abgerissen, 60.568 Quadratmeter ehemals bebauter Fläche wurden inzwischen zu Flächen im künftigen Landschaftszug umgewandelt, zwölf Claims befinden sich in der Patenschaft von sieben Akteuren, mehr als 5.000 Quadratmeter Fläche wurden durch Dessauer Bürger in Pflegepatenschaft genommen: eine „lebendige“ Bilanz.

Im Jahr 2007 stand der Startschuss für die Umsetzung des „Roten Fadens“ im Mittelpunkt der Arbeit. Er basiert auf den Ergebnissen eines Wettbewerbs, der zum Ziel hatte, eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln, mit der die Idee der landschaftlichen Zonen, die durch Abriss entstanden sind, öffentlich vermittelt werden kann. Ausgewählt wurde ein Beitrag, der einen Weg für Spaziergänger und Freizeitsportler vorsieht und dabei die markanten Stationen und Flächen der neuen landschaftlichen Zonen erzählend miteinander verbindet.

Das Konzept der Patenschaft für die Claims (400 Quadratmeter große Areale auf Umbauflächen) wurde erfolgreich fortgeführt. Das Projekt wurde als Fallstudie im Rahmen eines ExWoSt-Forschungsvorhabens aufgenommen und wird nun mit seinen Erfahrungen bundesweit reflektiert. Die Kontaktstelle Stadtumbau, die der Vernetzung der Akteure im Quartier Am Leipziger Tor (im urbanen Kern Innenstadt) dient, initiierte ein lokales Filmprojekt, das den Prozess des Stadtumbaus vor allem aus der Wahrnehmung der Bürger sehr authentisch widerspiegelt.

 
Soviel zu den Fakten! Am schwierigsten ist es, die 3. Frage zu beantworten. Ich versuche es zunächst kurz aus meiner Sicht:

Der Bevölkerungsschwund seit 1990 ist z. B. in Wolfen noch größer, sehr traurig, aber Fakt. Als Rentner freue ich mich über die relativ guten Leb ens- und Wohnbedingungen und kulturellen Angebote, die die Stadt zu bieten hat. Ich hoffe und wünsche, dass der geplante Umbau der Stadt die Zukunft sichern hilft.
 
* Siehe 1.
und 2.
Beitrag ändern
Beitrag bewerten
Erst einloggen, dann bewerten
Note
Stimmen
Aufrufe
weiterempfehlen
Kommentare | Kommentieren
Noch keine Kommentare vorhanden.
Kommentar schreiben
1000/1000
Zeichen übrig